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26. März 2026

Nachgefragt: Armin Walch

15 Fragen an Armin Walch

Nachgefragt: Armin Walch

© Isabelle Bacher

Drei schöne Orte auf der Welt (außerhalb Österreichs):
Ich habe in meinem Leben viele beeindruckende Orte gesehen. Die landschaftliche Vielfalt Skandinaviens, die kunsthistorischen Highlights der Toskana und die steinernen Zeitzeugen in Irland und Schottland haben einen besonderen Platz in meiner Erinnerung.

Letzter Urlaub (wo und wann):
Mein letzter Urlaub führte mich im Herbst 2025 nach Sardinien.

Die größten Tugenden im Tourismus sind:
Im Tourismus zählen für mich Nachhaltigkeit – vor allem sozial und ökonomisch – und die Bereitschaft, sich für Gäste und Einheimische gleichermaßen einzusetzen.

Die größten Sünden im Tourismus sind:
Tourismus verliert sich dort, wo Einzigartigkeit durch Beliebigkeit ersetzt wird, und wo Natur- und Kulturgüter nur als „Verbrauchsmaterial“ gesehen werden. Wer Nachhaltigkeit und Regionalität ignoriert, tut sich und dem Gast keinen Gefallen.

Die beste Idee im Tourismus der letzten fünf Jahre:
Bahnbrechend finde ich die konsequente Umsetzung barrierefreier Angebote im Tourismus. In Reutte konnten wir mit dem inklusiven Themenweg auf in der Festung Schlosskopf, den Schrägaufzügen Ehrenberg Liner und Top Liner sowie Europas erster rollstuhltauglicher Zipline, dem „DragonFly“, Meilensteine setzen.

Tourismus ist erfolgreich, wenn:
… er ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig gestaltet wird – und wenn sich Gäste ebenso willkommen fühlen wie die Einheimischen. Der Erfolg muss an Lebensqualität und Wertschöpfung gemessen werden, nicht an Übernachtungszahlen allein.

Geschichte und Kultur sind für den Tiroler Tourismus relevant, weil:
… sie unsere Identität und Authentizität formen. Geschichte erzählt von den Wurzeln einer Region – und genau das ist das Alleinstellungsmerkmal, das den Unterschied in der internationalen Vergleichbarkeit des Angebots macht.

Diese drei Kompetenzen/Eigenschaften braucht es, um ein Großprojekt wie die Sanierung der Burgenwelt Ehrenberg umzusetzen:
Vision, die Fähigkeit, Brücken zwischen Tradition und Moderne zu bauen, und Überzeugungskraft – denn ohne die Mitstreiter, Unterstützer und Multiplikatoren wäre vieles nicht möglich.

Das war die bisher größte Herausforderung auf dem Weg, die Burgenwelt Ehrenberg zu revitalisieren:
Das Projekt in den Köpfen der Menschen zu verankern, da am Anfang sehr viel Geld in die Sanierung der Ruinen („Stuanerhaufen“) fließen musste. Der Spagat zwischen Denkmalpflege, den wirtschaftlichen Realitäten und dem gesellschaftlichen Auftrag, Kultur für alle zugänglich und lebendig zu machen. Fördermittel zu gewinnen, Menschen zu überzeugen und in die Verantwortung zu nehmen – und dabei nie den Mut zu verlieren.

Auf diese Errungenschaft in meiner Zeit als Geschäftsführer der Burgenwelt Ehrenberg bin ich besonders stolz:
Dass aus einem ruinösen Festungsensemble ein lebendiges, kulturtouristisches Highlight geschaffen wurde, das einen echten Mehrwert für die Region bringt, Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region schafft und besondere Momente für unsere Gäste ermöglicht – und dass dabei Inklusion, Innovation und Nachhaltigkeit jeden Tag gelebte Werte sind. Das Festungensemble Ehrenberg für die nächsten Generationen zu erhalten, ist dabei ein besonderer Auftrag.

Was mir neben meiner Arbeit besonders wichtig ist:
Familie und gute Freunde, das Eintauchen in andere Kulturen, die Natur – und ein gutes Gespräch, das inspiriert und Perspektiven weitet.

So entspanne ich mich in meiner Freizeit am besten:
Zu Hause, in der Natur - beim Wandern, Mountainbiken und Langlaufen - und in einer geselligen Runde mit Familie, Freunden und guten Bekannten.

Das motiviert mich an einem schlechten Tag:
Das Wissen, dass eine Projektidee nur umgesetzt werden kann, wenn man sich trotz des Gegenwindes nicht vom Projektziel abbringen lässt.

Der beste Ratschlag, den ich je bekommen habe, war:
Sei dankbar, dass es dir gut geht und denke auch an die Schwächeren.

Das wünsche ich mir für die Zukunft:
Das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen und als überzeugter Europäer ein Vorbild zu sein für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, ganz im Sinne eines Europas der Regionen.

Zur Person: 

 

Armin Walch gründete nach dem Architekturstudium sein eigenes Architekturbüro und war ab 1996 Initiator der Burgenwelt Ehrenberg, deren Geschäftsführer er seit 2001 ist. Sein Lebenslauf spannt Bögen von Kultur, Raumplanung und Tourismus zur regionalen Entwicklung. Walch setzt sich seit Jahrzehnten für die nachhaltige Entwicklung und Inklusion im Alpenraum ein und wurd dafür u.a. mit dem Tiroler Verdienstkreuz, dem Tirol Touristica Award und dem Tirolerin Award ausgezeichnet.

Text: Lisa Schwarzenauer