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09. April 2026

10 Jahre Zentrum Familienunternehmen

10 Jahre Zentrum Familienunternehmen

Die alpine Destinationsentwicklung wird in Tirol maßgeblich von touristischen Familienunternehmen vorangetrieben.
© Tirol Werbung / Hörterer Lisa

In Tirol bilden familiengeführte Betriebe das Rückgrat der Wirtschaft, insbesondere im Tourismus. „Wir sprechen von ca. 17.400 Familienunternehmen in Tirol, das sind 85 Prozent aller Tiroler Unternehmen. In der Sparte Tourismus liegt der Anteil sogar bei 92 Prozent“, erklärt Anita Zehrer, Leiterin des Zentrums Familienunternehmen am MCI, das in diesem Jahr sein 10-jähriges Jubiläum feiert. Die alpine Destinationsentwicklung in Tirol werde deswegen im hohen Maße von den touristischen Familienunternehmen vorangetrieben, die ihren Betrieb von Generation zu Generation weitergeben und somit den Erhalt der bestehenden Eigentümerstrukturen bewahren, betont Zehrer.

Was Tirols touristische Familienbetriebe zudem besonders macht, sei ihre Nähe zu Gästen und die ständige Präsenz der Familie im Betrieb: „Das Zuhause der Familie ist häufig gleichzeitig der Arbeitsort. Das führt dazu, dass die Familie für Gäste ständig präsent und ansprechbar ist, was in anderen Branchen unüblich ist. Die Authentizität der Gastgeberfamilie wird zum zentralen Verkaufsargument – die Familie selbst wird zur Marke“, weiß Zehrer.

Anstehender Generationswechsel

Mit dem aktuellen Strukturwandel kommen aber auch Herausforderungen für Familienbetriebe im Tourismus, weiß die Wissenschaftlerin aus der Erfahrung der letzten zehn Jahre. „Die größte Herausforderung im unternehmerischen Leben eines Familienbetriebs sehe ich im Generationenwechsel, der einen sehr hohen emotionalen Stellenwert hat, weil Grundfragen der unternehmerischen wie auch der persönlichen Existenz gleichermaßen berührt werden“, erklärt sie. Man gehe von etwa 2.600 Tourismusbetrieben aus, die in Tirol in den kommenden Jahren vor einer Übernahme stehen. „In Tirol geht es hier vor allem um die Sicherstellung des Fortbestandes der Tourismusbetriebe als Treiber der touristischen Weiterentwicklung, denn sie sind als Arbeitgeber wichtige wirtschaftliche Stabilisatoren“, so Zehrer.

Daneben würden sich touristische Familienbetriebe aktuell auch weiteren Herausforderungen gegenüber sehen, so Zehrer: „Ob die enge Verzahnung von Familie und Unternehmen, die oft geringe Eigenkapitaldecke, Nachteile aufgrund der Kleinstrukturiertheit, mangelnde strategische Planung, der Fachkräftemangel, unter dem heimische Tourismusbetrieb massiv leiden, steigende Gästeanforderungen im Sinne des sich verändernden Konsumenten, die allgemein aggressiver gewordene Marksituation oder die voranschreitende Digitalisierung – das alles beeinflusst Familienbetriebe im Tourismus zunehmend.“

Aktuelle Projekte 

Um Tiroler Familienbetriebe bei diesen Herausforderungen zu unterstützen, entwickelt das Zentrum Familienunternehmen derzeit drei praxisnahe Projekte: „NextGEN Tourism etwa ist ein Erasmus+ Projekt, welches die berufliche Bildung stärkt, indem die Nachfolgeplanung in Ausbildungsprogramme integriert wird“, erläutert Zehrer. Ziel sei es hier, praxisnahe Methoden und Materialien für Lehrende zu entwickeln, um die nächste Generation in den Tourismusbetrieben auf erfolgreiche Übergaben vorzubereiten. Darüber hinaus läuft das Interreg-Projekt „New Work im Tourismus“, bei dem eine digitale Wissensplattform für New Work aufgebaut und New-Work-Coaches in der Tourismusbranche ausgebildet werden. Mit Tourismus.Digital, gefördert vom Land Tirol und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft, werden aktuell zudem Tiroler Familienunternehmen im Prozess der Digitalisierung begleitet.

Text: Barbara Kluibenschädl

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