Barrierefreiheit als Qualitätsmerkmal

Barrierefreiheit geht weit über Hotels hinaus und spiegelt sich beispielsweise auch in Wanderwegen wider.
© Alpbachtal Tourismus
Menschen mit Behinderungen sind im Tourismusmarketing kaum sichtbar. Das zeigt eine Studie von Serena Lonardi von der Freien Universität Bozen und Joachim Nigg, damals an der Universität Innsbruck tätig: Demnach sind Menschen mit Behinderungen nur in 0,8 Prozent der untersuchten Bilder zu finden. Für die Reiseentscheidungen von Menschen mit Behinderungen zählen jedoch nicht nur Bilder, sondern auch verlässliche Angaben zu Zugänglichkeit, Gelände und Ausstattung: „Mangelhafte oder inkorrekte Informationen können bereits in der Phase der Reisevorbereitung zu Frustration führen und Spannungen zwischen Menschen mit Behinderungen und touristischen Dienstleistern fördern“, so Lonardi. Detaillierte Beschreibungen und technische Angaben könnten diese Lücken schließen. Lonardi plädiert insofern für Co-Creation: Menschen mit Behinderungen sowie ihre Interessenvertretungen sollten frühzeitig in die Entwicklung von Angeboten und Marketingmaterialien eingebunden werden.
Zukunftsfaktor für den Tourismus
Dabei ist Barrierefreiheit kein Spezialthema: „Es geht darum, das Tourismuserlebnis allen Menschen zugänglich zu machen“, erklärt Mike Peters, Leiter des Teams KMU & Tourismus am Institut für Management und Marketing an der Universität Innsbruck. Inklusion betreffe dauerhaft oder vorübergehend eingeschränkte Menschen ebenso wie eine alternde Gesellschaft. Aber auch, wie Christoph Pachucki vom selben Institut anführt, Menschen mit unterschiedlichen körperlichen und psychischen Bedürfnissen, unterschiedlichem Alter, unterschiedlicher Herkunft, Kultur oder sexueller Orientierung, die sich alle angesprochen fühlen sollen. Inklusive Angebote seien damit auch ein Qualitäts- und Zukunftsfaktor für den Tourismus.
Konkrete Schritte mit Luft nach oben
In Tirol werde Inklusion und Barrierefreiheit bereits vielerorts praktisch umgesetzt. Als Beispiele nennen die beiden Wissenschaftler etwa die Gehörlosenwoche im Wipptal, Handbike-Routen im Kaunertal oder Europas erste barrierefreie Zipline in Reutte. Auch die Tirol Werbung informiere gezielt über barrierefreie Regionen, Unterkünfte und Ausflugsziele. Doch auch, wenn diese Beispiele viel Engagement belegen, bestehe zugleich noch Entwicklungspotenzial: So müssten einzelne Angebote noch besser zu durchgängig inklusiven Serviceketten verbunden werden. Ein barrierefreies Hotel allein reiche nicht, wenn Wege oder Freizeitangebote fehlen. Für Umbauten und neue Konzepte würden Betriebe außerdem Fördernetzwerke brauchen. Bestehende Angebote müssten zudem sichtbarer kommuniziert werden, so Peters und Pachucki.
Auch Bildungseinrichtungen leisten ihren Beitrag: Im September wirkt Pachucki an einer Summer School zur Inklusion an der Universität Innsbruck mit, bei der Studierende unterschiedlicher Richtungen reale Lösungen für Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen erarbeiten. Generell müsse es das Ziel sein, Akteur:innen stärker zu vernetzen, Betroffene einzubeziehen und Initiativen weiterzuentwickeln, um Barrierefreiheit zu einem Qualitätsmerkmal zu entwickeln, von dem alle Gäste profitieren.