Blick in die Zukunft

V.l.: Harald Pechlaner (Universität Eichstätt-Ingosltadt),Susanne Kraus-Winkler (Bundesspartenobfrau für Tourismus und Freizeitwirtschaft WKÖ), Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner, Roman Egger (SmartVisions und Modul University Vienna) und Ulrike Rauch-Keschmann (Leiterin der Sektion Tourismus) bei der Präsentation der Vision T. © BMWET / Valentin Brauneis
Wohin soll es in den kommenden Jahren für die Tourismusdestination Österreich gehen? Mit dieser Frage haben sich in den vergangenen Monaten Expert:innen aus Praxis, Wissenschaft und Politik beschäftigt. Am Montag präsentierte Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner in Wien mit der Vision T das Ergebnis dieses Strategieprozesses: „Die Vision T ist unser gemeinsamer Blick nach vorne. Sie ist das Ergebnis eines breiten Dialogs mit der Branche und gleichzeitig ein klarer Arbeitsauftrag für die kommenden Jahre“, betont sie. Das Ziel sei, Österreich mithilfe dieses gemeinsamen Zukunftsbildes bis 2035 zu einer der nachhaltigsten, erfolgreichsten und wertvollsten Tourismusdestinationen der Welt weiterzuentwickeln.
Um das zu erreichen, wurden neben den Leitgedanken Wertschöpfung, Wertschätzung und Werterhaltung fünf konkrete Handlungsfelder mit jeweils eigenen Zielbildern und strategischen Prioritäten ausgearbeitet:
– Wirtschaftskraft & Resilienz
Die Vielfalt, Qualität und Innovationskraft der Tourismusbetriebe und -regionen sollen gestärkt werden, um wirtschaftliche Gestaltungsspielräume zu erweitern und die Krisenfestigkeit der Branche zu erhöhen. Das Zielbild umfasst eine starke Eigenkapitalbasis der Betriebe, zukunftsorientierte Investitionen, flexible Zugänge zu Finanzierungslösungen und eine schlankere Bürokratie. Priorisiert werden sollen die Erfüllung der Gästeerwartungen der Zukunft, eine Vergrößerung der Nachfrage abseits der Saisonspitzen, eine Steigerung der Ertragskraft, Erleichterungen bei Betriebsübergaben und Generationenwechsel und die Förderung betrieblicher Investitionen genannt.
– Arbeitsmarkt & Fachkräfte
Sinnstiftende Tätigkeitsfelder, lebensphasengerechte Arbeitsplatzmodelle und eine modernisierte Berufsausbildung sollen den Tourismus als Arbeitgeber attraktiveren. Erreichen will man das durch eine Flexibilisierung der Arbeitsplatzmodelle, einen gezielten Technologieeinsatz, um mehr Zeit für den persönlichen Gästekontakt zu schaffen, eine Weiterentwicklung der Ausbildungsmöglichkeiten inklusive modularer Angebote sowie die überregionale Vermittlung Arbeitssuchender.
– Innovation & Digitalisierung
Mithilfe von Digitalisierung, Angebotsentwicklung und Zukunftstechnologien sollen das Gästeerlebnis, die betriebliche Effizienz und die Attraktivität touristischer Arbeitswelten verbessert werden. Priorisierte Aufgaben sind die Vernetzung der Branche intern sowie mit Start-ups, Technologieanbietern und Forschung, die Kompetenzvermittlung in Betrieben, Destinationen und Ausbildung, die Bereitstellung aktueller Tourismusdaten und die Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Als relevante Ziele werden außerdem digitale Souveränität und die Schaffung und Einhaltung fairer Regeln im digitalen Raum genannt.
– Ressourcen & Verantwortung
Ressourcenbewusstsein und -management sollen die heimische Natur und Kultur bewahren und gleichzeitig neue wirtschaftliche Chancen eröffnen. Im Fokus stehen Maßnahmen wie aktive Klimawandelanpassungen, nachhaltige Mobilitätslösungen, Besucherstromlenkung, effizientes Energie- und Bodenmanagement und die Weiterentwicklung anerkannter Nachhaltigkeitszertifizierungen.
– Mehrwert & Mitgestaltung
Die Steigerung der Tourismusakzeptanz ist einer der Kernpunkte der Vision T. Dazu soll einerseits erlebbar gemacht werden, welchen Mehrwert Tourismus den Regionen und der Bevölkerung bringt, gleichzeitig soll die Bevölkerung über Beteiligungsformate und direkten Dialog besser eingebunden werden. Zu den Prioritäten zählen der Austausch mit der nächsten Generation, die Förderung der touristischen Vielfalt, gesteigerte Wiedererkennbarkeit durch geschärfte Profile und ein Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Destinationen, Branche und Wissenschaft.
Die Grundlage für die Vision T lieferten die Ergebnisse der letzten Sommer durchgeführten 360 Grad Tourismus-Analyse, mehrere Expert:innengipfel und Stakeholder-Dialoge in den Bundesländern. Ein Steering Committee bestehend aus Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner, Susanne Kraus-Winkler (Bundesspartenobfrau für Tourismus und Freizeitwirtschaft Wirtschaftskammer Österreich), Harald Pechlaner (Universität Eichstätt-Ingosltadt), Roman Egger (SmartVisions und Modul University Vienna) und Ulrike Rauch-Keschmann (Leiterin der Sektion Tourismus, Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus) begleitete den Strategieprozess.
Dessen Umsetzung wird durch ein Monitoring-System begleitet und gesteuert, um Fortschritte messbar zu machen. Dafür wurden neun Kernindikatoren definiert, anhand derer der Erfolg gesetzter Maßnahmen gemessen werden soll:
– Bis 2035 soll die reale Wertschöpfung durch den Tourismus mehr als 25 Mrd. Euro betragen.
– Die internationalen Reiseverkehrseinnahmen sollen mehr als 36 Mrd. Euro betragen.
– Die Eigenkapitalquote der Qualitätshotellerie soll auf über 20 Prozent steigen.
– Der Tourismusakzeptanzsaldo soll von derzeit +37 auf +40 Prozentpunkte erhöht werden.
– Beherbergung und Gatronomie sollen mehr als 160.000 Ganzjahresbeschäftigte haben.
– Die Gästezufriedenheit soll die Schulnote 1,5 erreichen.
– Der Nächtigungsanteil der Nebensaison soll mehr als 60 Prozent betragen.
– 1.500 Betriebe sollen mit Umweltzertifikaten ausgezeichnet sein.
– Die CO2-Emissionen in Beherbergung und Gastronomie sollen um 200.000 Tonnen gesenkt werden.