Crowd-Investing im Tourismus
Crowd-Investing kann eine sinnvolle ergänzende Finanzierungsmöglichkeit im Tourismus sein.
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Der Begriff Crowd-Investing taucht in der Tourismusbranche immer häufiger auf – doch welche Rolle spielt er tatsächlich, insbesondere in Tirol? Marco Riederer von der Prodinger Tourismusberatung gibt Einblicke, wie dieses Finanzierungsinstrument in der Praxis eingesetzt wird.
„Crowd-Investing ist im Tourismus weiterhin ein Nischeninstrument, gewinnt aber selektiv an Bedeutung“, erklärt Riederer. In der Praxis sehe er es weniger als Ersatz klassischer Bankfinanzierungen, sondern vielmehr als ergänzendes Finanzierungs- und Kommunikationsinstrument. Besonders in touristisch starken Regionen wie Tirol werde Crowd-Investing bereits punktuell eingesetzt – meist dort, wo Betriebe bereits über eine hohe Markenbekanntheit oder eine starke emotionale Bindung zur Zielgruppe verfügen. Die tatsächlich umgesetzten Projekte seien aktuell aber überschaubar.
Geeignete Projekte
Crowd-Investing eignet sich laut Riederer vor allem für klar abgegrenzte Investitionsvorhaben, etwa Erweiterungen oder Umbauten. Wichtig sind stabile, glaubwürdige Betriebe mit einem soliden operativen Geschäft. Ziel ist häufig die Stärkung der Eigenkapitalbasis. „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist das Bewusstsein, dass Investor:innen zugleich Markenbotschafter sind und oftmals aus der eigenen Gästeschicht stammen“, betont Riederer. Wer diese Chance nutze, könne seine Gäste langfristig noch stärker an den Betrieb binden.
Realistische Rendite
Die Renditeerwartungen im touristischen Kontext seien abhängig von Laufzeit, Struktur und Risiko, bewegen sich aber meist in der Bandbreite von 4 bis 6 Prozent. Riederer macht deutlich: „Wichtig ist, Crowd-Investing nicht mit klassischen Immobilien- oder Private-Equity-Investments zu vergleichen.“ Neben der finanziellen Verzinsung spielen häufig auch emotionale Mehrwerte eine Rolle, wie Gästerabatte, Bonusnächtigungen oder alternative Renditemodelle in Gutscheinform, die eine niedrigere finanzielle Rendite teilweise ausgleichen könnten.
Risiken im Blick
Trotz der Chancen sei Crowd-Investing nicht risikofrei, warnt Riederer. „Wichtig sind eine realistische, konservative Planung und eine transparente Kommunikation gegenüber den Investierenden. Das betrifft etwa die Nachrangigkeit gegenüber Banken oder die Abhängigkeit vom operativen Geschäft, von Auslastung, Preisniveau und Saisonalität.“
Für einen erfolgreichen Projektverlauf und minimierte Risiken empfiehlt er zudem einen klar strukturierten Ansatz: „Man braucht eine saubere wirtschaftliche Basis, eine klare Zielsetzung – sei es Finanzierung, Marketing oder Community-Aufbau – und die Auswahl seriöser Plattformen mit rechtlich sauberen Modellen.“ Dazu gehöre auch die transparente Darstellung von Konditionen und Renditeerwartungen sowie eine professionelle Begleitung über den gesamten Prozess.