Wie groß ist der Radtourismus in Tirol insgesamt und welche Regionen profitieren besonders davon?
Das Volumen des Radtourismus kann man schwer abschätzen, weil er sehr viele Ausprägungen hat. Gute Anhaltspunkte für die Bedeutung in Tirol liefert die T-MONA Studie, wonach 2025 30 Prozent der Sommergäste während ihres Aufenthalts am Rad unterwegs waren. Dazu kommen die vielfältigen Möglichkeiten im Land – von den (Fern-)Radwegen über 7.000 km MTB-Routen bis hin zu fast 400 km Singletrails, Gravel- und Rennradrouten sowie Bikeparks. Viele Tourismusverbände forcieren das Thema Rad. Aktuell gibt es 128 bett+bike zertifizierte Betriebe, die sich über ganz Tirol verteilen. Das ist ein klares Signal, dass Radtourismus in seinen Facetten für Tirol Relevanz hat.
Welche konkreten Angebote oder Services erwarten radreisende Gäste von einem Betrieb?
Der Radfahrer erwartet sich in erster Linie eine professionelle Unterbringung seines Rads, also einen absperrbaren, diebstahlversicherten Raum mit E-Bike-Lademöglichkeit und ebenerdigem Zugang. Dazu kommen ein Waschplatz für das Rad, ein Raum zum Trocknen von durchnässter Kleidung sowie ein Werkzeugset für kleine Reparaturen. Für sportlichere Radgäste sind auch Montageständer und eine Werkbank mit entsprechendem Spezialwerkzeug und gängigen Ersatzteilen wichtig. Generell brauchen wir einen Qualitätsschub in der Radinfrastruktur. Der „Radkeller“ ist das Wohnzimmer des Radfahrers und der Gast will dort dieselbe Atmosphäre und Qualität wie im Hotel vorfinden.
Welche Trends im Radreisesektor werden die Nachfrage in den nächsten Jahren besonders beeinflussen – und wie können sich Betriebe schon jetzt darauf vorbereiten?
Der Trend zum E-Bike ist gekommen, um zu bleiben. Eine professionelle Ladeinfrastruktur ist unumgänglich. Ergänzend ist der Trend zum Gravelbike, einer Mischung aus Rennrad und Mountainbike, relevant – damit erreichen wir eine urbane, jüngere Community als Radreisegäste. Wenn wir einen Blick auf den Markt werfen, sehen wir, dass der Radtourismus verstärkt im Wettbewerb steht. Neue Destinationen drängen mit neu gebauten Radwegen, günstigeren Preisen als der DACH-Raum und einem Touch Exotik in den Markt. In Zukunft wird es weder reichen, dem Radgast einen übrig geblieben Raum als Radgarage zu verkaufen noch Radwege ohne strategischen Ansatz zu entwickeln. Mitgedacht werden müssen eine sichere, attraktive Wegführung, ein Leitsystem, Rastplätze mit Multifunktion wie Schlechtwetterschutz, Ladeinfrastruktur, Notfallservice etc. sowie gastronomisches Angebot und eine radfreundliche Unterbringung entlang der Strecke.