Frau Helleisz, warum ist es wichtig, die Relevanz des Tourismus in einer Region wie Tirol aktiv zu kommunizieren?
Der Tourismus ist in Tirol vergleichsweise präsent – doch seine positiven Effekte sind in der Bevölkerung, bei politischen Entscheidungsträger:innen und anderen Branchen oft zu wenig bewusst. Medien berichten häufig über negative Auswirkungen wie Verkehr, hohe Preise oder kritische Bauprojekte, die dem Tourismus zugeschrieben werden. Genau hier muss die Kommunikation durch Tourismusverantwortliche ansetzen: Wir müssen aufzeigen, wie der Tourismus zur Freizeit- und Lebensqualität beiträgt – durch Kultur- und Freizeitangebote, lebendige Ortskerne und Arbeitsplätze, auch über Branchengrenzen hinaus. Andernfalls entsteht ein Ungleichgewicht in der Wahrnehmung. Aktive Kommunikation schafft Verständnis dafür, dass Tourismus nicht nur Belastung, sondern auch Gestalter und Ermöglicher ist.
Welche Maßnahmen tragen besonders erfolgreich dazu bei, dass Tourismus mehr wertgeschätzt wird?
Das ist stark abhängig von der Region, den dortigen Gegebenheiten und den „brennenden“ Themen. Ist es – wie meistens in Tirol – eine etablierte Destination? Oder eine Region, die viele noch gar nicht als mögliches Reiseziel wahrnehmen? Allgemein ist es sehr wirksam, wenn andere Branchen als Unterstützer auftreten – zum Beispiel, wenn ein Einzelhändler öffentlich kommuniziert, dass er sein Angebot nur durch Tourismus halten kann. Auch regelmäßige Dialogformate mit Bürger:innen, Politik und Wirtschaft fördern Sichtbarkeit, besonders, wenn diese Gruppen in wichtigen Prozessen beteiligt und ihre Interessen gehört werden. Wertschätzung kann auch durch Angebote für Einwohner:innen gewonnen werden – etwa, wenn Cards auch lokal erhältlich sind oder es Übernachtungsaktionen für Einheimische gibt. Das vermeidet den Eindruck, dass „nur Gäste profitieren“.
Wo sehen Sie die größten Stolperfallen in der Tourismuskommunikation – und welche Tipps geben Sie, um diese zu vermeiden?
Erstens: Nur auf Statistiken zu setzen. Kennzahlen sind wichtig, aber wirklich überzeugen kann man mit Emotionen und konkreten Beispielen. Zweitens: Überall dasselbe zu erzählen. Die Botschaften müssen an die Zielgruppe angepasst werden. Man muss sich fragen: Welche Relevanz kann der Tourismus speziell für mein Gegenüber haben? Womit kann ich ihn gewinnen? Drittens: Widersprüchliche Botschaften durch zu viele Einzelmeinungen und persönliche Interessen zu kommunizieren. Man sollte sich mit den wichtigsten Partner:innen und Meinungsbildner:innen in der Region abstimmen und sich auf gemeinsame, klare Botschaften einigen.