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22. Januar 2026

Intelligente Lenkung

Intelligente Lenkung

Die Region Seefeld nutzt Mobilfunkdaten für Prognosen zur Auslastung und eine bessere Verteilung der Gäste. © Region Seefeld / Moritz Klee

Balancierter Tourismus und die gezielte Verteilung von Besucher:innenströmen sind große Themen in der Branche – und damit natürlich auch in Tirol von immer größerer Bedeutung: Selbst wenn es noch keinen Overtourism gibt, profitieren Gäste, Destinationen und die Bevölkerung davon, wenn Spitzen ausgeglichen werden und eine Entlastung stattfindet. Ein Praxisbeispiel ist das Projekt zur digitalen Besucher:innenlenkung in der Region Seefeld, das kürzlich auch von F.acT aufgegriffen wurde und zeigt, wie Daten zur Vorbeugung von zu hoher Besucher:innenauslastung verwendet werden können.

Proaktiver Ansatz

Im Mittelpunkt des Seefelder Projektes steht dabei die gezielte Nutzung von Mobilfunkdaten, um saisonale Spitzen zu antizipieren, auszugleichen und Overtourism vorzubeugen. Michaela Kraler, die in Seefeld im Bereich nachhaltige Produkt- und Angebotsentwicklung arbeitet, erklärt den Ansatz im Interview mit F.acT so: „Bis dato wurden unsere Ausflugstipps über die Erfahrung und das Bauchgefühl unserer Mitarbeiter:innen gesteuert – mit viel Know-how, aber ohne objektive Entscheidungsgrundlage.“ Genau hier setze das Projekt der digitalen Besucher:innenlenkung an: „Es soll uns helfen, fundierter einzuschätzen, wo sich Besucherströme entwickeln – und entsprechend sanfte Empfehlungen auszusprechen.“

Hintergrund

Die Basis für diese Empfehlungen bilden seit 2022 an 16 Points of Interest (Sehenswürdigkeiten) in der Region gesammelte anonymisierte Mobilfunkdaten, anhand derer das Gästeaufkommen an den jeweiligen Orten gemessen werden kann. Aufbauend auf diesen Informationen – und unter Berücksichtigung von Wetter- und Eventdaten sowie den Ferienzeiten der wichtigsten Herkunftsmärkte – können so Auslastungsprognosen für die kommenden sieben Tage berechnet werden. Diese sind auf der Webseite der Region und in der VisitSeefeld App einsehbar und wirken sich auch direkt auf deren Darstellung aus: „Ziele mit hoher prognostizierter Auslastung werden weniger sichtbar gemacht, stattdessen werden Alternativen mit einem niedrigeren Besucheraufkommen vorgeschlagen“, so Kraler. 

Das helfe den Gästen bei ihrer Ausflugsplanung und entlaste sowohl Naturräume als auch die Bevölkerung, was sich langfristig auch positiv auf die Tourismusakzeptanz auswirke. Auf betrieblicher und regionaler Ebene profitiere man von einer ausgewogeneren Verteilung der Wertschöpfung und den Daten selbst, sagt die Expertin: „Für den Tourismusverband bieten die Daten eine fundierte Grundlage für strategische Entscheidungen, gezieltere Steuerung und die langfristige Weiterentwicklung der Destination.“

Ausblick

Das Projekt soll laut Kraler in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden – sowohl auf der Ebene der Datensammlung, wo einerseits die Points of Interest noch besser abgegrenzt und zusätzliche Informationen von neuen Wetterstationen eingespeist werden sollen, als auch auf Seite der Nutzer:innen: Die Prognosen sollen in Zukunft auch an zusätzlichen Touchpoints wie Infoscreens in Hotels verfügbar sein. 

Text: Lisa Schwarzenauer