Warum sich junge Menschen für den Tourismus entscheiden

Marie Gasser, Paul Wiedemair und Carolin Rathmann (v. l.) sind nicht nur begeisterte Lehrlinge, sondern auch amtierende Staatsmeister:innen bzw. Vize-Staatsmeister:innen in ihren Fachbereichen.
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Der Fachkräftemangel zählt seit Jahren zu den größten Herausforderungen im Tiroler Tourismus. Gleichzeitig gibt es sie nach wie vor: junge Menschen, die sich ganz bewusst für eine Karriere in der Branche entscheiden – und darin sogar Spitzenleistungen erbringen. Die Erfahrungen von Carolin Rathmann, Paul Wiedemair und Marie Gasser, allesamt Lehrlinge im dritten Lehrjahr im Tiroler Tourismus und Staatsmeister:innen beziehungsweise Vize-Staatsmeister:innen in ihrem Fachbereich, zeigen, welche Faktoren den Tourismus für die junge Generation attraktiv machen.
Keine Langeweile
Ein zentraler Aspekt ist die Abwechslung. Viele Jugendliche suchen Berufe mit Vielfalt und Entwicklungsmöglichkeiten – genau darin sehen die Nachwuchskräfte eine Stärke des Tourismus. „Kein Tag ist gleich wie der andere“, beschreibt Gasser (Lehre zur Hotelkauffrau im Gradonna Mountain Resort in Kals am Großglockner) ihren Arbeitsalltag zwischen Rezeption, Gästebetreuung und organisatorischen Aufgaben im Backoffice. Ähnlich sieht es Wiedemair (Lehre zum Koch im AlmFamily Hotel Scherer in Obertilliach): „Es passieren ständig neue, spannende oder auch lustige Dinge.“ Für ihn ist entscheidend, dass „es nie langweilig wird“.
Auch Rathmann (Lehre zur Gastronomiefachfrau im Hotel Jungbrunn in Tannheim) betont die Vielseitigkeit der Branche, die sich in den Lernmöglichkeiten widerspiegelt. „Ausgelernt ist man eigentlich nie so richtig“, sagt sie. Der Beruf werde zwar „in aller Welt ausgeführt, aber überall ein bisschen anders“.
Arbeit mit Menschen
Eng mit dieser Abwechslung verbunden ist ein zweiter Faktor: die Arbeit mit Menschen. Während viele Tätigkeiten zunehmend digitalisiert werden, lebt der Tourismus weiterhin von persönlichen Begegnungen. Für Rathmann liegt genau darin der besondere Reiz ihres Berufs. „Für mich ist der schönste Moment des Tages, wenn ich Gäste mit einem Lächeln heimschicken kann.“ Die Möglichkeit, Menschen einen gelungenen Urlaub und eine Auszeit vom Alltag zu ermöglichen, motiviere sie täglich. Auch Gasser spricht von ihrer Begeisterung für den Gästekontakt. Schon als Kind hätten sie Hotels und insbesondere der Empfangsbereich fasziniert. Heute schätzt sie vor allem die Kommunikation mit Gästen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen.
Ein gutes Betriebsklima
Gleichzeitig zeigt sich, dass junge Menschen nicht nur einen Arbeitsplatz suchen, sondern ein funktionierendes Umfeld. Teamgeist und Betriebsklima werden von allen drei mehrfach angesprochen. Für Wiedemair war auch genau das ein entscheidender Grund für die Wahl seines Ausbildungsbetriebs. „Man ist dort nicht nur eine Nummer, sondern wirklich Teil des Teams“, sagt er. Kolleg:innen würden sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen. Dass aus Arbeitskolleg:innen oft Freund:innen werden, bezeichnet er als einen der schönsten Aspekte seiner Lehrzeit. Auch Rathmann nennt die „Herzlichkeit gegenüber Mitarbeitern“ als wichtigen Grund für ihre Entscheidung für den Betrieb.
Branche mit Zukunft
Dass die Branche jungen Menschen nach wie vor Perspektiven bietet, zeigt auch der Blick in die Zukunft. Rathmann möchte „auf alle Fälle im Tourismus bleiben“ – auch weil ihr der Tourismus berufliche Perspektiven weit über Tirol hinaus eröffnet. „Durch die Lehre im Tourismus habe ich die Möglichkeit, flexibel in aller Welt zu arbeiten.“ Gleichzeitig sei es ein Berufsfeld, in dem man laufend dazulerne und von anderen Menschen profitieren könne. Auch Gasser möchte sich nach ihrer Lehrzeit gezielt weiterbilden und zusätzliche Qualifikationen in der Branche erwerben. Wiedemair plant, nach seiner Ausbildung weitere Betriebe kennenzulernen und neue Erfahrungen zu sammeln.
Ihre Aussagen machen deutlich: Wer sich heute bewusst für eine Lehre im Tourismus entscheidet, tut dies nicht trotz der Besonderheiten der Branche, sondern häufig gerade wegen jener Eigenschaften, die den Tourismus seit jeher auszeichnen – die Arbeit mit Menschen, die Dynamik des Arbeitsalltags und die Möglichkeit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. In Zeiten des Fachkräftemangels sind das Perspektiven, die für die Zukunft der Branche von zentraler Bedeutung sein könnten.
Carolin Rathmann ist Staatsmeisterin in der Kategorie Service, Paul Wiedemair ist Staatsmeister in der Kategorie Küche und Marie Gasser ist Vize-Staatsmeisterin in der Kategorie Rezeption.