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24. September 2026

Nachgefragt: Roland Volderauer

15 Fragen an Roland Volderauer

Nachgefragt: Roland Volderauer

© Andre Schönherr

Ein schöner Ort auf der Welt (außerhalb Tirols):

San Carlos de Bariloche in Argentinien

Letzter Urlaub (wo und wann):

Im vergangenen Sommer war ich auf Thasos in Griechenland.

Die größten Tugenden im Tourismus sind:

Gelebte Gastfreundschaft und Authentizität, verbunden mit einem ausgeprägten Qualitätsbewusstsein für den Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum.

Die größte Sünde im Tourismus ist:

Für mich liegt die größte Gefahr darin, Tourismusentwicklung zum Selbstzweck zu machen. Wenn Entscheidungen vor allem aus kurzfristigem Druck oder dem Wunsch nach möglichst viel Aufmerksamkeit getroffen werden, geht das Profil einer Region verloren. Erfolgreich ist, wer seine Stärken kennt, diese konsequent verfolgt, weiterentwickelt und auch kommuniziert.

Hier liegen die Stärken des Tiroler Tourismus:

Der Tiroler Tourismus ist ein Stabilitätsfaktor: Rund ein Viertel der Tiroler Bruttowertschöpfung entfällt auf die Branche. Gleichzeitig stärkt der Tourismus regionale Kreisläufe – mehr als 70 Prozent der Investitionen von Hotellerie und Gastronomie gehen direkt an heimische Tiroler Unternehmen.

Eine weitere Stärke ist die Eigentümer:innenstruktur. Der Großteil der Betriebe ist familien- oder einzelunternehmergeführt. Die Branche sichert tirolweit etwa jeden fünften Arbeitsplatz und bildet in vielen Regionen die fundamentale Existenzgrundlage. Hinzu kommen ein ausgeprägter Ganzjahrestourismus mit meist zwei Saisonen, hohe Qualität, alpine Kompetenz und eine ausgeprägte Akzeptanz in der Bevölkerung.

Hier liegen die Schwächen des Tiroler Tourismus:

Der Lebens- und Wirtschaftsraum ist mit einer lückenhaften Anbindung des Flughafens Innsbruck an internationale Drehkreuze konfrontiert. Für einen international ausgerichteten Wirtschaftsraum ist eine lückenlose Verkehrsanbindung ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Die beste Idee im Tourismus der vergangenen fünf Jahre:

Digitalisierung – sie ermöglicht uns erhebliche Effizienzsteigerungen und schafft zudem Freiräume. Der Mensch kann sich dadurch stärker auf wesentliche Erfolgsfaktoren konzentrieren: auf den Gast und auf echte Qualität.

Die größte Herausforderung für den Tiroler Tourismus ist:

Der Tourismus steht unter emotionalem und infrastrukturellem Druck. Wir müssen uns dem Klimawandel anpassen und mit den Folgen des demografischen Wandels umgehen – Themen, welche langfristige, tragfähige Lösungen statt kurzfristigem Aktionismus erfordern.

Diese Erkenntnis aus 14 Jahren an der Spitze des Tourismusverbandes Stubai Tirol nehme ich nach St. Anton mit:

„Nothing grows in the comfort zone.“ Entwicklung beginnt dort, wo man gewohnte Denkmuster verlässt, Verantwortung übernimmt und den Mut hat, neue Wege zu gehen.

Das reizt mich an der Aufgabe im Tourismusverband St. Anton am Arlberg am meisten:

Es motiviert mich sehr, künftig eine der etabliertesten touristischen Marken im gesamten Alpenraum mitverantworten zu dürfen. Besonders reizvoll ist für mich, die bestehende Strategie konsequent weiter mit Leben zu füllen – in der Infrastruktur, im Marketing und bei den Events.

Auf diese touristische Entwicklung im Stubaital bin ich besonders stolz:

Auf die Positionierung und Etablierung des Stubaitals als Ganzjahresdestination. Ein Erfolgsfaktor war die profilgeleitete Projekt- und Produktumsetzung.

So gelingt es, die Interessen von Gästen, Betrieben und Einheimischen in Einklang zu bringen:

Durch eine dreidimensionale Betrachtung: Eine Region ist gleichzeitig Lebensraum, Wirtschaftsraum und Erholungsraum. Wenn diese drei Dimensionen berücksichtigt werden, können Lösungen entstehen, die langfristig funktionieren und von einer kritischen Menge zum Erfolg getragen werden.

Diese Eigenschaft muss ein guter Tourismusmanager unbedingt mitbringen:

Empathie und die Fähigkeit zur Moderation. Wer im Tourismus eine Managementposition übernimmt, muss teamorientiert arbeiten, Netzwerke aufbauen und die unterschiedlichen Stakeholder zusammenbringen. Dafür braucht es ein klares Verständnis der relevanten Anspruchsgruppen, ein gutes Stakeholder-Mapping und eine authentische Form von Leadership.

In meiner Freizeit entspanne ich am besten, wenn …

… ich mit meiner Familie in den Tiroler Bergen unterwegs bin oder mich mit meinen Freunden beim Gleitschirmfliegen in die dritte Dimension begebe.

Das wünsche ich mir für die Zukunft:

Gesundheit, Glück und den Rückhalt meiner Familie und Vertrauten. Ich wünsche mir viel Energie in einem motivierten und ambitionierten Umfeld.

Zur Person: 

Roland Volderauer ist seit 2012 Geschäftsführer des Tourismusverbandes Stubai Tirol. Am Ende der Sommersaison wird er sein Amt nach 14 Jahren niederlegen und mit 1. Jänner 2027 nach St. Anton am Arlberg wechseln. Dort wird er Direktor des Tourismusverbandes.

Text: Markus Wechner