Nachhaltiger Vorreiter
Tirol ist 2024 als erste Tourismusregion Österreichs dem INSTO-Netzwerk der Vereinten Nationen beigetreten. © Hannes Sautner / shootandstyle / Alpbachtal Tourismus
Vor fast genau einem Jahr wurde Tirol als erste Tourismusregion Österreichs in das INSTO-Netzwerk (International Network of Sustainable Tourism Observatories) der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen aufgenommen. Damit einher ging auch die Einrichtung der Beobachtungsstelle TYSTO (Tyrolean Sustainable Tourism Observatory), die von Hubert Siller, Leiter des MCI Tourismus, geführt wird. Wir haben nachgefragt, was sich im ersten Jahr getan hat.
Touristische Datensammlung
Noch sei es ein bisschen früh für eine erste Bilanz, sagt Siller, schließlich sei erst im Juni 2026 die erste Berichtslegung fällig – im Hintergrund sei aber schon einiges passiert. „Wir sind jetzt quasi in Vorbereitung. Es werden sehr viele Daten erhoben, und das müssen wir jetzt alles systematisch verschriftlichen.“ Mitglieder des Netzwerkes sind verpflichtet, touristische, volkswirtschaftliche, soziale und umweltrelevante Daten zu Themenfeldern wie Saisonalität, Beschäftigung, Governance, Bevölkerungs- und Gästezufriedenheit, Energiewirtschaft, Klimaschutz und Erreichbarkeit zu sammeln, analysieren und die Ergebnisse einmal jährlich nach Madrid, wo die Welttourismusorganisation ihren Sitz hat, zu schicken. Mit diesen Daten sollen die Mitgliedsregionen prüfen, welche Auswirkungen der Tourismus auf Gesellschaft Umwelt und Wirtschaft hat und ihn darauf aufbauend verantwortungsvoll weiterentwickeln.
Gut dabei
„Im Austausch in den letzten Monaten haben wir immer wieder gemerkt und auch gesagt bekommen, dass wir schon wirklich weit sind, was die Tourismusentwicklung betrifft“, betont Siller. Die Möglichkeit, zu sehen, wie andere Regionen mit verschiedenen Themenfeldern umgehen und welche Daten sie erheben, mache die Mitgliedschaft bei INSTO besonders interessant: „Einen Austausch über diese Dinge hat es vorher so nicht gegeben. Das ist schon sehr spannend für uns, vor allem mit Regionen wie Südtirol, die ähnliche Herausforderungen haben und einen ähnlichen Tourismus betreiben.“
Die Datenlage sei in Tirol unter anderem dadurch, dass sich viele der INSTO-Handlungsfelder mit den im Tiroler Weg vorgegebenen decken, in vielen Bereichen bereits sehr gut, manche Daten müsse man aber erst selbst sammeln. „Und wir müssen natürlich manchmal auch hochrechnen, also quasi von Musterregionen ausgehend versuchen, das auf die anderen umzurechnen“, erklärt der Tourismusforscher.
Der Tiroler Weg, in dem die verantwortungsvolle Weiterentwicklung des Tourismus verankert wurde, sei tatsächlich auch ausschlaggebend für die Bewerbung bei INSTO gewesen: „Wenn man sieht, dass es ein weltweites Netzwerk genau zu dem Thema gibt und niemand aus Österreich dabei ist, muss Tirol vorausgehen“, sagt Siller – Tirol habe schließlich auch den politischen Anspruch, ein touristischer Vorreiter zu sein. Außerdem ermögliche die Mitgliedschaft es auch, sich in UN-Themen rund um den Tourismus einzubringen. „Wenn es zum Beispiel um die Zukunft des Wintersports geht, können wir als Region, die auch eine Nähe zu dem Thema hat, tatsächlich etwas beitragen.“
Netzwerkarbeit
In den nächsten Monaten sollen jetzt noch Stakeholder, Interessensgemeinschaften und andere Player an Bord geholt werden. Diese seien zwar bereits informiert worden, dass es TYSTO gibt, aber noch nicht wirklich aktiv eingebunden. Das wolle und müsse man ändern – einerseits, weil Daten dieser Player für die Berichtslegung benötigt werden, aber auch, weil man dokumentieren wolle, was sie machen und für den Tourismus beitragen. Damit sei man laut Siller dann gut für den ersten Bericht gerüstet, der als Basis für die Arbeit der nächsten Jahre dienen soll.