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04. September 2025

TikTok am Vormarsch

TikTok am Vormarsch

Urlaub direkt über TikTok buchen: Das könnte künftig auch in Österreich möglich sein.
© Shutterstock / Tirol Werbung

Erst kürzlich verkündete die Social-Media-Plattform TikTok in den USA die Zusammenarbeit mit Booking.com. Konkret sollen Nutzer:innen Unterkünfte direkt – ohne die App zu verlassen – buchen können. Dass dieses Konzept auch in Österreich und Deutschland Fuß fassen könnte, zeigt der in Deutschland bereits eingeführte TikTok Shop, der nach demselben Prinzip einer „All-in-one-Plattform“ funktioniert.

Bis solche Buchungsmöglichkeiten in Österreich verfügbar sind, mag es noch etwas dauern – dennoch lohnt es sich, sich jetzt schon mit der Plattform auseinanderzusetzen. Das empfiehlt auch Veronika Völker, Teamleitung Soziale Medien und Communities bei der Tirol Werbung: „Besonders, wenn man die junge Zielgruppe bis etwa 35 Jahre erreichen möchte, ist ein früher Einstieg sinnvoll.“ Auch junge Menschen ohne eigenes Budget sind relevant, denn „sie üben innerhalb der Familie oft entscheidenden Einfluss auf Kaufentscheidungen aus“, weiß die Expertin. 

Andere Funktionsweise 

TikTok als Tourismusbetrieb zu bedienen sei keine leichte Aufgabe, weiß Völker – besonders, wenn man die Plattform selbst nicht nutzt und noch kein Gespür dafür entwickelt hat, wie sie funktioniert. „Die Inhalte unterscheiden sich deutlich von denen anderer Social-Media-Kanäle“, erklärt sie. „Sie sind weniger inszeniert und gestaged. Oft reicht ein einfaches Handyvideo, das einen besonderen Moment einfängt.“ Gleichzeitig müsse der Content sofort Aufmerksamkeit erzeugen – die ersten 1,6 Sekunden entscheiden, ob die junge Zielgruppe dranbleibt.

Die Wirkung von TikTok lasse sich zudem nicht an Follower:innenzahlen messen. Beim Start der App landen Nutzer:innen direkt auf der „For-You-Page“ – einer personalisierten Seite, auf der Inhalte angezeigt werden, die der Algorithmus anhand des bisherigen Scroll-Verhaltens empfiehlt. „Das hat nicht nur mit den Seiten zu tun, denen ich folge“, erklärt Völker. Gleichzeitig liege darin das Spannende an TikTok: „Jedes Video wird vom Algorithmus neu bewertet, anders als bei Instagram, wo man aufeinander aufbaut.“ Das nimmt den Druck vor Fehlgriffen, erfordert aber gleichzeitig, immer wieder guten, neuen Content zu generieren.

TikToks, Carousels und Listicles 

Das gängigste Format auf TikTok sind Kurzvideos – sogenannte TikToks. „Der Inhalt sollte zwischen 15 und 30 Sekunden dauern. Dinge künstlich in die Länge zu ziehen, etwa mit langen Beautyshots, macht keinen Sinn“, erklärt Völker. Daneben gewinnen Slideshows, sogenannte Carousels, zunehmend an Bedeutung: „Sie sind aktuell besonders relevant, weil TikTok immer mehr auch als Suchmaschine genutzt wird.“ Junge Nutzer:innen recherchieren auf der Plattform Restaurants, Länderinfos sowie Lokal- und Hoteltipps. Für die Sichtbarkeit in diesem Bereich eignen sich Listicles besonders gut: „Beispiele sind ‚Die fünf besten Aktivitäten in der Umgebung‘ oder ‚Die fünf besten Wellness-Treatments im Haus‘“, so Völker. Auch Trends, wie die Ice-Bucket-Challenge damals, können interessant sein, passen aber nicht automatisch zum eigenen Betrieb und dürfen nicht immer kommerziell genutzt werden.

Großer Aufwand

Was den Aufwand betrifft, sollte man TikTok nicht unterschätzen, betont Völker. „Man braucht schon viel Zeit, um Videos zu schneiden, Material zu sammeln und sich Konzepte zu überlegen.“ Das kann schnell acht bis zehn Stunden pro Woche in Anspruch nehmen. Zeit sparen lässt sich durch einen guten Content-Plan und Doppelnutzung von Inhalten: „Ein Listicle kann man zum Beispiel einmal als Video und einmal als Carousel verwenden.“ Wer keine Kapazitäten hat, kann die Aufgabe auch auslagern: „Es gibt Agenturen oder Freelancer:innen, die TikTok-Content erstellen.“

Text: Barbara Kluibenschädl

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