Tourismus trifft Mobilität
Keynote-Rednerin Anna Scheffold sprach über den Zusammenhang zwischen Mobilitätsentscheidungen und Emotionen.
© Tirol Werbung / Stefan Ringler Photography
Rund 120 Fachleute aus Tourismus, Verkehr und Politik kamen am Montag im Stadtsaal Kufstein zusammen, um beim 4. Tiroler Tourismus-Mobilitätstag neue Ideen für nachhaltige Urlaubsmobilität zu diskutieren. Mit Panels, Keynotes und interaktiven Breakout-Sessions bot das alle zwei Jahre stattfindende Branchentreffen reichlich Raum für Austausch und neue Impulse. Veranstaltet wurde es von der Tirol Werbung in Zusammenarbeit mit dem TVB Kufsteinerland und dem Verkehrsverbund Tirol – mit dem Ziel, neue Anreize für eine zukunftsfähige Tourismusmobilität zu schaffen.
Tourismus als treibende Kraft
Neben der zentralen Frage, wie es der Branche gelingt, noch mehr Gäste zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen, widmete sich die Agenda auch Themen wie innovativen Antriebstechnologien, dem Design von Haltestellen zur Aufwertung der touristischen Vor-Ort-Mobilität sowie der Rolle von Infotainment in Bussen. Dabei wurde deutlich: Tirol ist beim Thema nachhaltige Mobilität im Tourismus bereits gut unterwegs. Schon vor über zehn Jahren setzte die Tirol Werbung mit der Initiative „Tirol auf Schiene“, die die öffentliche Anreise von Gästen fördert, wichtige Impulse – und galt damit als Vorreiter. Heute ist die öffentliche Mobilität fester Bestandteil der Tourismusplanung in Tirol. Die zentrale Rolle der Tourismusbranche in diesem System müsse nun noch stärker ins Bewusstsein gerückt werden.
Emotionale Hürden abbauen
Anna Scheffold, Begleiterin für Nachhaltigkeit und Experience Design, machte in ihrer Keynote deutlich, dass Mobilitätsentscheidungen nicht nur vom Angebot abhängen, sondern auch emotional geprägt sind. „Das Auto ist in den Köpfen noch immer – unbewusst oder bewusst – mit Freiheit, Komfort und Prestige verknüpft.“ Um mehr Menschen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen, sei es daher entscheidend, diese emotionalen Hürden zu erkennen und sie bei der Angebotsgestaltung sowie in der Kommunikation gezielt anzusprechen. So empfiehlt Scheffold: „Selbst öfter mal das Auto stehen lassen und stattdessen umweltfreundlich unterwegs sein, um die Angebote wirklich aus der Brille der Gäste zu verstehen und zu erleben.“
Klarer Kurs
Mit der kostenlosen Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel über Gästekarten, dem stetigen Ausbau internationaler Bahnverbindungen und innovativen Lösungen für die sogenannte letzte Meile setzt Tirol wichtige Schritte in Richtung autofreier Urlaub. „Nachhaltige Mobilität kann ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Tourismus sein – der Individualverkehr wird reduziert und bessere Angebote vor Ort tragen zur höheren Akzeptanz des Tourismus bei“, erklärte Tirols Mobilitätslandesrat René Zumtobel. Jede Reise mit der Bahn statt mit dem Auto spart nicht nur bis zu 89 Prozent CO₂ ein, sondern entlastet gleichzeitig auch die Straßen und damit auch die Bevölkerung. Bis 2035 soll sich der Anteil nachhaltiger Anreisen verdoppeln – und die Mobilität vor Ort Schritt für Schritt auf erneuerbare Antriebstechnologien umgestellt werden.
Mobilitätsforscher Markus Mailer von der Universität Innsbruck räumte vor dem Hintergrund des Ziels, Tirol bis 2050 energieautonom zu machen, in seinem Vortrag gezielt mit Mythen und Fakten rund um alternative Antriebe auf. In einem technologieoffenen Vergleich zeigte er, dass der in Tirol verwendete Slogan „Die Zukunft fährt elektrisch“ durchaus berechtigt ist: Häufig diskutierte Alternativen wie HVO100 (synthetischer Biokraftstoff) seien realistisch betrachtet allenfalls als Nischenlösungen geeignet. Für Scheffold steht dabei außer Zweifel: Ohne Mobilität kein Tourismus. „Es braucht den Mut und die kreative Energie, bestehende Lösungen weiter zu denken, sie umzusetzen und damit zu zeigen, dass es auch anders geht. Denn schlussendlich wollen doch alle Menschen in einer schönen Region leben und Urlaub machen.“
Noch mehr zu Mobilität im Tourismus gibt es übrigens im neuen Image-Film „Mobilität gemeinsam gestalten".