Trendradar
Das Reisen zu Drehorten von Filmen und Serien – in Tirol beispielsweise zu den Bergdoktor-Locations – ist einer der Trends 2026.
© Julia Mücke
Worauf kann sich die Tourismusbranche 2026 einstellen? Wir haben uns die Trendreports verschiedenster Fachmedien und Tourismusberater:innen angeschaut und die wichtigsten Trends zusammengefasst.
– KI, Digitalisierung & Robotik
Auch 2026 ist Künstliche Intelligenz einer der großen Veränderungstreiber in der Reiseindustrie. Marktforscher:innen prognostizieren, dass heuer der Übergang von der experimentellen zur produktiven Nutzung von KI passiert, bestehende Geschäftsmodelle durch agentische KI-Systeme, die autonom Reisen planen und buchen können, unter Druck geraten und KI zur wichtigsten Schnittstelle zwischen Kund:innen und Anbieter:innen wird. Phocuswright, ein auf die internationale Reisebranche spezialisiertes Forschungsunternehmen, erwartet beispielsweise, dass 2026 mehr als 50 Prozent der US-Reisenden KI-Tools zur Reiseplanung nutzen werden.
Der aktuelle Markt- und Trendreport Hotellerie Österreich 2026 der Prodinger Tourismusberatung unterstreicht die Bedeutung dieses Bereichs: Robotik zur Entlastung der Mitarbeitenden, vollständig digitalisierte Check-in-Prozesse inklusive Wegfall klassischer Keycards und automatisierte Back-of-House-Lösungen helfen bei der Kostensenkung und Qualitätssicherung und ermöglichen es Mitarbeitenden, sich auf den persönlichen Kontakt und die Gastgeberrolle zu konzentrieren.
– Kuratierte Erlebnisse & Hyper-Personalisierung
Urlaub von der Stange hat 2026 wohl endgültig ausgedient: Gäste suchen zunehmend kuratierte Angebote mit persönlichem Bezug und sind auch bereit, dafür Geld auszugeben. Reiseausgaben werden nicht gekürzt, aber bewusster getätigt. Auch Prodinger sieht Hyper-Personalisierung als einen der großen Trends, der nicht nur dem Gast, sondern auch Tourismusbetrieben hilft: Digitale Systeme ermöglichen individuell abgestimmte Preis-, Leistungs- und Servicepakete entlang der gesamten Guest Journey und wirken so als Instrument zur aktiven Ertragssteuerung.
– Bonusprogramme
Loyalty-Programme werden immer relevanter: Laut Analysten sind sie bereits jetzt wichtiger für die Buchungsentscheidung als Preis und Marke. Benefits, die den Aufenthalt bereichern, sowie reduzierte Mitgliedspreise sind dabei am populärsten, Gäste wünschen sich aber immer öfter, dass Vorteile auch außerhalb der Unterkunft für Bereiche wie Gastronomie, Wellness und Shopping gelten – im Idealfall entsteht ein ganzes Lifestyle-Ökosystem, das die Gäste nutzen können.
– Mehrgenerationenreisen
Reisen mit der ganzen Familie boomen weiter, wie unter anderem der Standard in seinem Trendausblick berichtet. Vor allem maßgeschneiderte Angebote, die mehrere Generationen abdecken, liegen im Trend, denn: Spätestens seit der Pandemie wird der Urlaub häufiger dazu genutzt, um bewusst Zeit zusammen mit den Eltern, Großeltern und anderen Familienmitgliedern zu verbringen. So werden nicht nur neue Erinnerungen geschaffen, sondern auch Eltern entlastet und die Verbindung zwischen den Generationen gestärkt.
– Leiser Luxus & Quietcation
Luxus bedeutet 2026 laut Prodinger vor allem Ruhe, Entschleunigung, die bewusste Reduktion von Reizen und digitale Distanz: „Quietcations“ und Rückzugsorte ohne permanente Reizüberflutung sind in einer sich rasant verändernden Welt gefragte Differenzierungsmarker für Betriebe und Destinationen. Leiser Luxus werde damit ein aktives Steuerungsinstrument und ein Teil der Positionierung.
– Themenreisen
Egal ob Set-Jetting (das Besuchen von Film- und Serienlocations), Readaways (Lesereisen) oder Wellness-Retreats: Reisen, die sich auf ganz bestimmte Interessen oder Hobbys konzentrieren, sind weiter im Vormarsch. Wie groß das Potenzial dieses Segments ist, zeigen unter anderem Zahlen aus dem Reistrendreport Unpack ’26: Demnach wählen 81 Prozent der Gen Z und Millennials gezielt Reiseziele, die sie vom Bildschirm kennen. Auch Sport-Reisen fallen in diesen Bereich und haben enormes Potenzial: Laut Prodinger planen 57 Prozent der Reisenden, Sportevents in ihre Reise zu integrieren, in der Gruppe der 18- bis 44-Jährigen sind es sogar 68 Prozent.
– Dry Tourism
Besonders junge Menschen trinken immer weniger Alkohol, und das wirkt sich auch auf die Reisegewohnheiten und Erwartungen der Gäste aus: Wer Gen Z und Co. abholen will, muss Alternativen zum alkoholischen Willkommensdrink, hochprozentig gefüllten Minibars und Weinbegleitung bieten, die über das klassische Angebot an Softdrinks hinausgehen.