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12. März 2026

Trends von der ITB 2026

Trends von der ITB 2026

Auf der ITB 2026 letzte Woche wurden die zentralen Trends der Tourismusbranche sichtbar.
© Messe Berlin GmbH

Auf der ITB Berlin, der weltweit größten Tourismusmesse, werden jedes Jahr die wichtigsten Trends der Branche sichtbar. Auch 2026 zeichnet sich ein klares Bild ab. Ralf Roth, Professor am Institut für Outdoor, Sport und Umweltforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln und Tirol-Kenner, war vor Ort und fasst die zentralen Entwicklungen mit besonderem Augenmerk auf Tirol zusammen.

Sein Fazit vorweg: „Urlaub ist für viele Menschen ein Fixstern in ihrer Lebenswelt.“ Das zeige sich auch bei den Ausgaben. Der für Tirol wichtige Markt Deutschland gibt aktuell so viel für Urlaub aus wie nie zuvor. Roth relativiert jedoch: „Ein erheblicher Teil der höheren Ausgaben ist schlicht auf gestiegene Preise im Tourismussektor zurückzuführen.“ Neben der Ausgabefreude wachse auch das Bedürfnis nach bewussterer Planung. Viele Gäste vergleichen Angebote intensiver und achten stärker auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. In diesem Kontext gewinnen klassische Pauschalreisen und All-inclusive-Pakete wieder an Bedeutung.

Sehnsucht nach realen Erlebnissen

Auch die Digitalisierung verändert den Tourismus weiter: Informationen und Preisvergleiche sind heute einfacher und schneller zugänglich als je zuvor. „Digitalisierung und KI erleichtern die Reiseplanung enorm. Informationen sind schneller verfügbar, Preise transparenter und Buchungen einfacher, auch vor Ort“, sagt Roth. Gleichzeitig beobachte er jedoch eine Gegenbewegung: „Je digitaler unser Alltag wird, desto wichtiger werden reale Erlebnisse in Natur, Kultur und Gemeinschaft“, so der Universitätsprofessor.

Davon könnten gerade alpine Destinationen wie Tirol besonders profitieren. Die Verbindung aus Naturerlebnis, Bewegung in den Bergen, regionaler Kultur und gelebter Gastfreundschaft bildet einen bewussten Gegenpol zum digitalen Alltag. „Hinzu kommen eine gute Erreichbarkeit aus wichtigen Herkunftsmärkten sowie ein hohes Sicherheitsgefühl“, unterstreicht Roth.

Mehrsaisonalität und neue Lebensmodelle

Ein weiterer Vorteil Tirols liege in seiner ausgeprägten Mehrsaisonalität. Während viele Destinationen stark saisonabhängig bleiben, bietet Tirol ganzjährig touristische Möglichkeiten – vom Wintersport über Sommerwanderungen bis hin zu Natur- und Kulturerlebnissen. „Für viele Gäste ist Tirol daher weniger ein klassisches Einmal-im-Leben-Ziel, sondern vielmehr eine Destination für wiederholte Aufenthalte, Aktivurlaub oder kürzere Auszeiten“, erklärt Roth.

Auch veränderte Lebens- und Arbeitsmodelle beeinflussen das Reiseverhalten. Multilokalität, hybride Lebensformen und mobiles Arbeiten machen Reisen flexibler und lassen Aufenthalte stärker in den Alltag integrieren. Insbesondere jüngere Generationewürden zunehmend Urlaub, Arbeit und temporäre Aufenthalte am Reiseziel kombinieren, so Roth.

Krisen verändern Planung

„Bislang führt keine Krise zu einem generellen Reiseverzicht“, betont Roth. Stattdessen verschiebe sich die Planung: Die Wahl des Reiseziels und der Buchungszeitpunkt rücken näher an den tatsächlichen Reisezeitpunkt heran, um auf wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten reagieren zu können. Für Tirol sei das ein klarer Vorteil, denn: „In unsicheren Zeiten gewinnen Destinationen an Bedeutung, die gut erreichbar, sicher und planbar sind“, fasst Roth zusammen.

Text: Barbara Kluibenschädl