Verträglicher Tourismus
Für die Studie zur Tourismusverträglichkeit wurden Menschen aus Regionen mit unterschiedlicher Tourismusintensität und der urbanen Region Innsbruck befragt.
© Innsbruck Tourismus / Markus Mair
Wie viel Tourismus ist verträglich? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine aktuelle Studie von Denise Fecker, Theresa Mitterer-Leitner, Birgit Bosio und Hubert Siller vom MCI Tourismus, die dafür 1.500 Tiroler Einwohner:innen aus Regionen mit niedriger, moderater und hoher Tourismusintensität sowie der urbanen Region Innsbruck interviewt haben. „Es existieren bereits viele Studien zur Wahrnehmung des Tourismus unter Einheimischen sowie die soziale Tragfähigkeit des Tourismus. Unsere Studie bezieht erstmals die Dimension der Tourismusintensität mit ein, um zu untersuchen, wie sich diese Phänomene je nach Art der Destination unterscheiden“, erklären Fecker und Bosio.
Unterschiedliche Wahrnehmung
Dabei zeigte sich, dass Bewohner:innen in Gebieten mit hoher Tourismusintensität (200 bis 699 Nächtigungen pro Einwohner:in und Jahr) tendenziell mehr Vorteile und ein positiveres Arbeitgeberimage des Tourismus wahrnehmen und sich im täglichen Leben weniger durch Tourist:innen gestört fühlen, während in Regionen mit geringer Tourismusintensität (weniger als 50 Nächtigungen pro Einwohner:in) die sozialen Tragfähigkeitsgrenzen früher erreicht werden und dort auch eine kritischere Einstellung zum Tourismus herrscht. „Diese Ergebnisse widersprechen damit früheren Studien, die von einer Zunahme negativer Wahrnehmungen mit steigender Tourismusintensität ausgehen“, so Bosio.
Erkenntnisse für die Praxis
Von den Studienergebnissen lassen sich auch Praxistipps für die Weiterentwicklung des Tourismus ableiten, sagt sie: „Auf Basis der Studie empfehlen wir Partizipation, Transparenz, Nutzenstiftung für Einheimische, nachhaltige Besucherlenkung sowie strategische Fachkräftesicherung als zentrale Erfolgsfaktoren für eine zukunftsfähige Tourismusentwicklung.“ Konkret empfiehlt die Expertin:
– Einbindung und Empowerment der lokalen Bevölkerung:
Aktive Beteiligung durch Diskussionsrunden, Workshops und Foren, Förderung von Mitsprachemöglichkeiten bei Strategien und Entscheidungen, Stärkung der Wahrnehmung und Unterstützung der Tourismusentwicklung
– Steigerung des subjektiven Nutzens für Einheimische:
Einführung von Vorteilen wie lokale Vorteilskarten, Berücksichtigung der Einheimischen nicht nur als Gastgeber:innen, sondern als zentrale Stakeholder und auch Gäste in der eigenen Region
– Transparenz und Informationsvermittlung:
Systematische Erhebung und Weitergabe von Daten zu Tourismusaktivitäten und deren Auswirkungen, Förderung eines realistischen, faktenbasierten Verständnisses von Tourismus in der Bevölkerung
– Nachhaltige Besucherstromlenkung und Kapazitätssteuerung:
Einführung von Besucher-Management-Maßnahmen oder – wo notwendig – zeitliche und örtliche Zugangsbeschränkungen, um Überlastung zu verhindern, Nutzung der Digitalisierung, um Besucherströme zeitlich und räumlich smart zu lenken
– Arbeitgeberattraktivität und Fachkräftesicherung:
Stärkere Rolle von Destination Management Organisationen (DMOs) beim Employer Branding, Fokus auf Gewinnung und Bindung von Fachkräften anstatt reine Konzentration auf Gästewachstum, Aufbau von Vertrauen und langfristigen Beziehungen durch transparente, inklusive Kommunikation