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07. Mai 2026

Was eine:n Nachfolger:in ausmacht

Was eine:n Nachfolger:in ausmacht

Für die zahlreichen familiengeführten Tourismusbetriebe in Tirol zählt die Regelung der Unternehmensnachfolge zu den zentralen Zukunftsfragen.
© TVB Osttirol / Köfler Hubert

Die Übergabe an die nächste Generation ist für Familienunternehmen entscheidend. Eine aktuelle Studie des MCI Zentrum Familienunternehmen von Marvin Assenmacher, Gundula Glowka, Anita Zehrer und Valerie Nickel zeigt: Nicht nur wirtschaftliche Kennzahlen beeinflussen potentielle Nachfolgeabsichten, sondern vor allem Werte, Persönlichkeit und familiäre Dynamiken.

Werte und Persönlichkeit als Schlüssel

Laut der Studie prägen Werte wie Selbstbestimmung, Leistung und Wohlwollen die Bereitschaft, ein Familienunternehmen zu übernehmen. Hinzu kommen Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit und Gewissenhaftigkeit, die helfen, die Anforderungen einer Führungsrolle zu bewältigen. Entscheidend sei zudem die Erfüllung psychologischer Grundbedürfnisse: Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit steigern die intrinsische Motivation. Gleichzeitig bleibe der sozioemotionale Wohlstand – also emotionale Bindung, Familienidentität und das Bewahren des Erbes – ein entscheidender Faktor.

Unsichtbare Hürden und klare Rollen

Studienautorin Anita Zehrer betont darüber hinaus, dass „unsichtbare“ Hürden den Nachfolgeprozess erschweren. Dazu würden Rollen- und Erwartungsunklarheit, komplexe Familien- und Identitätsdynamiken sowie strukturelle blinde Flecken zählen. Unklare Zuständigkeiten und unausgesprochene Erwartungen würden dabei häufig zu Konflikten führen. Um dem entgegenzuwirken, betont Zehrer die Bedeutung einer „zeitlich abgestuften Übergabe“: Die nächste Generation solle früh eigene Verantwortungsbereiche übernehmen, etwa in der Digitalisierung oder Angebotsentwicklung, während die Seniorgeneration zunehmend in eine Sparring-Rolle wechsle. Ein strukturierter, schriftlich festgehaltener Übergabeprozess sei laut Zehrer unerlässlich.

Tradition und Innovation in Balance

Wenn Tradition auf neue Ideen trifft, liegt für Zehrer die Lösung darin, diese Spannung aktiv zu gestalten, „statt sie zu vermeiden“. Innovationen sollen als Weiterentwicklung der Tradition verstanden werden, nicht als Bruch. Gleichzeitig beobachtet sie einen Wertewandel: Die nächste Generation lege mehr Wert auf Nachhaltigkeit, gute Arbeitsbedingungen und klare Strukturen. Gleichzeitig sinke die Bereitschaft zur dauerhaften Verfügbarkeit, während Digitalisierung und Delegation wichtiger werden. Erfolgreiche Nachfolge gelingt laut Zehrer dann, wenn individuelle Ziele und familiäre Interessen in Einklang gebracht werden. Gefragt seien hierbei Demut und Neugier, unternehmerische Urteilskraft, Gastgeber:in-sein aus Überzeugung, Führungs- und Change-Kompetenz sowie regionale Verankerung und Resilienz.

Text: Markus Wechner

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