Wie sich der Urlaub in den Alpen verändert

V. l.: Moderator Meinrad Knapp mit den Panelgästen Karin Seiler (Tirol Werbung), Claudia Riedl (GeoSphere Austria), Markus Redl (ecoplus Alpin), Schnee- und Lawinenforscher Hansueli Rhyner und Gerhard Mössmer (Kuratorium für Alpine Sicherheit)
© Tiroler Zugspitz Arena / Hetfleisch
Der Klimawandel ist längst im Alpenraum angekommen – und damit auch in den Tourismusregionen Tirols. Beim dritten AlpenKlimaGipfel auf der Zugspitze in Ehrwald diskutierten diese Woche Expert:innen aus Wissenschaft, Tourismus, Wirtschaft, Landwirtschaft, Politik und Sport darüber, wie die Alpen auf die zunehmenden klimatischen Herausforderungen reagieren können. Unter dem Motto „Tu es! Wie wir den Wandel durch Handeln wirksam gestalten“ standen konkrete Lösungsansätze und Zukunftsperspektiven im Mittelpunkt.
Eines der zentralen Panels unter dem Titel „Zukunftsraum Alpen zwischen Sicherheitsrisiken, Gesundheitstrends und neuen Saisonlogiken” widmete sich der Frage, wie alpine Regionen auch in Zukunft sicher, attraktiv und lebenswert bleiben können. Steigende Temperaturen, veränderte Reisegewohnheiten und neue gesellschaftliche Erwartungen verlangen laut den Expert:innen ein Umdenken. Mitdiskutiert haben die Meteorologin Claudia Riedl von GeoSphere Austria, Tirol Werbung-Geschäftsführerin Karin Seiler, ecoplus Alpin-Geschäftsführer Markus Redl, Schnee- und Lawinenforscher Hansueli Rhyner sowie Gerhard Mössmer vom Kuratorium für Alpine Sicherheit.
Ganzjahrestourismus im Fokus
„Wir können natürlich nicht weitermachen wie bisher“, stellte Seiler klar. Besonders in den Monaten März und April seien die Veränderungen mittlerweile deutlich spürbar – selbst in höheren Lagen. Gäste, die früher zu dieser Zeit nach Tirol kamen, würden ihren Urlaub zunehmend in die schneesicheren Wintermonate Jänner und Feber verlegen.
Für die Geschäftsführerin der Tirol Werbung ist deshalb ein Umdenken notwendig. „Wir müssen schauen: Welche Monate kann man in welcher Zeitspanne verlängern? Und auf welche Märkte und Länder können wir künftig setzen?“ Die Antwort liege in einem intelligenten Ganzjahrestourismus, der sich flexibel an neue Rahmenbedingungen anpasst. Auch das Skifahren selbst könnte künftig anders aussehen. Seiler brachte etwa frühere Betriebszeiten oder Stunden-Slots auf den Pisten ins Spiel. „Wenn Skifahren attraktiv bleiben soll, wird man das Produkt anpassen müssen.“
Mehr Vielfalt am Berg
Dass viele Regionen bereits auf die Veränderungen reagieren, zeigte Redl anhand konkreter Beispiele. „Wir improvisieren bereits“, sagte er. So würden manche Destinationen mittlerweile schon zu Weihnachten Sommerrodelbahnen öffnen.
Für Redl steht fest: „Wir müssen die Diversität des Angebots erhöhen und flexibler werden.“ Wenn die Bedingungen im Frühjahr nur noch am Vormittag optimal zum Skifahren seien, müsse man sich fragen: „Was kann man dem Gast am Nachmittag bieten?“ Die Infrastruktur für zusätzliche Freizeitangebote sei dafür vielerorts bereits vorhanden – und hier müsse man ansetzen.
Viele Chancen für den Alpenraum
Trotz aller Herausforderungen blickt Meteorologin Riedl optimistisch in die Zukunft. „Der Tourismus im Alpenraum wird in Zukunft viele Chancen haben“, sagte sie. Durch die zunehmende Hitze in südlichen Urlaubsregionen könnten künftig sogar mehr Gäste den Weg in die Alpen finden.
Auch für den Wintersport sieht sie weiterhin Potenzial. „Wenn ich heute ein Skigebiet betreiben müsste, würde ich eines in einer Höhenlage zwischen 1.400 und 2.300 Metern wählen.“ Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass insbesondere Gletscherskigebiete vor neuen Herausforderungen stünden, da sich Grasflächen deutlich leichter beschneien ließen als Felsoberflächen. Die Zukunft des alpinen Tourismus werde daher vor allem davon abhängen, wie flexibel Regionen auf die veränderten Bedingungen reagieren.