Zum Hauptinhalt springen
29. November 2024

Im Gleichschritt mit der Natur

2009 wurde der Karwendelmarsch nach 19-jähriger Pause wiederbelebt. Voraussetzung dafür war ein nachhaltiges, umweltverträgliches Konzept für die Veranstaltung. Das gelang vor allem durch eines: ein großes Miteinander. 

Im Gleichschritt mit der Natur

© Achensee Tourismus

Von 1969 bis 1990 entwickelte sich der Karwendelmarsch, ursprünglich ins Leben gerufen, um finanzielle Mittel für den Tiroler Skinachwuchs zu lukrieren, zur größten Sportveranstaltung Tirols. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend „eine Veranstaltung der Superlative“, wie Maria Wirtenberger, stellvertretende Geschäftsführerin bei Achensee Tourismus und dort unter anderem zuständig für Events, berichtet. Bei der Wiederauflage war für alle Beteiligen klar, dass man anderen Prämissen folgen musste und wollte. Die Zeiten hatten sich geändert – eine Sportveranstaltung im Naturpark muss verträglich und nachhaltig sein. 

In Zusammenarbeit mit der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol, den beiden Tourismusverbänden Achensee Tourismus und der Region Seefeld – Tirols Hochplateau – sowie den Verantwortlichen im Naturpark wurde ein neues Konzept erstellt. „Die Arbeit daran begann ein gutes Dreivierteljahr vorab, von Anfang an wurden alle Interessen in die Neuauflage miteinbezogen“, erzählt Maria Wirtenberger, die damals, 2009, ganz frisch im TVB startete – der „neue“ Karwendelmarsch war die erste Veranstaltung, für die sie verantwortlich zeichnete.

„Weniger ist mehr“

Eine der ersten Maßnahmen, auf die man sich verständigte, war eine Beschränkung der Teilnehmerzahl auf 2.500. Auch auf die Verwendung von Autos zur Anlieferung von Material sollte so weit wie irgendwie möglich verzichten werden. Entlang der Strecke wurde die Beschilderung optimiert, damit sich die Teilnehmer:innen des Laufs nicht unbeabsichtigt in Lebensräume von Flora und Fauna verirrten. Schlussläufer:innen bekamen die Aufgabe, Liegengebliebenes auf dem Weg ins Ziel aufzusammeln. „Das neue Motto lautet also: Weniger ist mehr!“, bringt es Wirtenberger auf den Punkt. 

Entscheidend für die Weiterentwicklung der Sportveranstaltung war auch, dass von Beginn an alle Interessenvertreter:innen an einen Tisch geholt wurden, ist Wirtenberger überzeugt. Zahlreiche Gespräche wurden auch mit Grundbesitzer:innen, Bäuer:innen der Jägerschaft und Almbetreiber:innen geführt: „Wir haben alle gemeinsam gelernt und sind zusammen in die neue Ausrichtung hineingewachsen. Dieses Miteinander zeichnet die Veranstaltung bis heute aus.“ 

Der Karwendelmarschin Zahlen

  • Sein 15-jähriges Jubiläum feierte
    der neu aufgelegte Marsch heuer.
  • 2.500 Teilnehmer:innen gehen
    an den Start.
  • In 2 Minuten waren die Startplätze
    2024 vergeben.
  • 52 bzw. 35 km ist die Strecke lang.
  • 7.500 Euro gehen an das Projekt
    „Spuren der Artenvielfalt“.

Nachhaltig geht nur gemeinsam

In dieselbe Kerbe schlägt auch Anton Heufelder vom Naturpark Karwendel. Der Karwendelmarsch sei ein Paradebeispiel dafür, dass Großveranstaltungen auch in Naturschutzgebieten möglich sind – vorausgesetzt, alle Beteiligten ziehen an einem Strang: „Es braucht das entsprechende Bewusstsein für den Naturschutz und das Gebiet, in dem man unterwegs ist. Bei den Veranstaltern wie bei den einzelnen Teilnehmer:innen. Das geht nur gemeinsam“, sagt auch Heufelder. 

Den Verantwortlichen im Naturpark war und ist vor allem die Sensibilisierung für das Naturschutzgebiet wichtig. Beim Marsch sind sie mit einem Informationsstand vertreten, für die Labestationen entlang der Strecke konnte mit Bio vom Berg ein lokaler und nachhaltiger Partner gewonnen werden, intensiv setzte man sich auch mit dem Thema Müllmanagement auseinander. Dazu kam von Teilnehmer:innen der Input, die Müllstation nicht direkt bei der Labstation, sondern ein paar Meter danach aufzustellen – so müssen die Läufer:innen nicht stehen bleiben und können den Müll trotzdem entsprechend entsorgen. „Das sind so Kleinigkeiten, die einen großen Unterschied machen und gleichzeitig zeigen, dass es allen mit dem Schutz der Natur ernst ist“, betont Heufelder. 

Positive Spuren hinterlassen

Kern einer nachhaltigen Sportveranstaltung in einem Naturschutzgebiet ist für Anton Heufelder, „keine Spuren zu hinterlassen“ und wenn, dann positive: Drei Euro des Startgelds pro Teilnehmer:in gehen an den Naturpark. So kommen jedes Jahr 7.500 Euro für ein Projekt zur Förderung der Artenvielfalt zusammen, das eigens vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde. Mit dem Geld werden beispielsweise artenreiche Naturwaldzellen ausgewiesen, Landschaftspflege für Biodiversität betrieben und Feuchtflächen geschützt.

Damit der Karwendelmarsch so nachhaltig wie heute über die Bühne gehen kann, brauche es auch viele Freiwillige, die mithelfen. Diese engagieren sich bei der Veranstaltung selbst oder auch im Rahmen des Projekts des Naturparks. Wer möchte, bekommt dafür einen gratis Startplatz beim Marsch, und diese Startplätze sind heiß begehrt: Die heurige 15. Auflage war innerhalb von zwei Minuten ausverkauft – ein Rekord. Auch das Wetter – der Lauf findet immer am letzten Samstag im August statt – spielte sehr zur Freude aller Beteiligten mit, sagt Maria Winterberger: „Ein wirklich wunderschönes Jubiläum, es war rundum perfekt!“

karwendel2-50a3c25a Im Gleichschritt mit der Natur – Saison Tirol

Für die nachhaltige Neuauflage des Karwendelmarsches wurde die Teilnehmerzahl auf 2.500 begrenzt.

karwendel3-7421936c Im Gleichschritt mit der Natur – Saison Tirol

Für die Labestationen setzt man mit Bio vom Berg bewusst auf einen regionalen Partner.

tirollogo3-40810983 Im Gleichschritt mit der Natur – Saison Tirol

© Achensee Tourismus

„Es braucht das entsprechende Bewusstsein für den Naturschutz und das Gebiet, in dem man unterwegs ist.“

Anton Heufelder, Naturpark Karwendel
Text: Rebecca Müller