Früh übt sich
Skifahren zählt zu den touristischen Kernprodukten Tirols. Umso wichtiger ist es, die Begeisterung für den Skisport bereits bei jungen Menschen – Einheimischen wie Gästen – zu wecken. Ein Blick auf die Maßnahmen
in Tirol zeigt, wie das erfolgreich gelingt.
Mit der Schule auf die Piste
Die Schulskiaktion „Skifahr’n“ ist eine gemeinsame Initiative der Fachgruppe der Seilbahnen und der Bildungsdirektion Tirol. Sie ermöglicht Schüler:innen an Tiroler Schulen, den Skisport zu besonders günstigen Konditionen kennenzulernen. Konkret erhalten Klassen der 1. bis 9. Schulstufe von den Seilbahnen kostenlose Skipässe, Klassen der 10. bis 13. Schulstufe erhalten sie zum vergünstigten Preis von 5 Euro pro Tag. Außerdem können durch Kooperationen mit Sportartikelhändlern Ski, Stöcke, Skischuhe und Helme für 8 Euro pro Tag ausgeliehen werden.
„Darüber hinaus gibt es auch eine Unterstützung für Kurskosten beim alpinen Skilauf über die Abteilung Sport des Landes“, erklärt Herbert Gimpl, Leiter der Bildungsregion Tirol Mitte der Bildungsdirektion Tirol. Auch auf den Fahrtkosten bleiben Schulklassen nicht sitzen. „Bei mehr als drei Tagen werden pro Schüler:in 20 Euro als Förderung des Landes Tirol gewährt“, so Gimpl. Dies gelte jedoch nur für die Erreichung des nächstgelegenen Skigebiets. Für ihn ist Tirol damit ein Vorreiter für andere Bundesländer. Er ist sich sicher: „Um den Skinachwuchs in Tirol brauchen wir uns keine Sorgen zu machen.“
Im vergangenen Schuljahr nahmen 725 Schulklassen an der Schulskiaktion „Skifahr’n“ teil. Dabei wurde erstmals die Marke von 100.000 Skikarten überschritten.
Zur Person
Herbert Gimpl ist Leiter der Bildungsregion Tirol Mitte sowie Schulsport-verantwortlicher der Bildungsdirektion für Tirol.
© Herbert Gimpl
„Mit Sicherheit passiert durch die frühe, schulische Erfahrung eine essenzielle Prägung zum Skisport.“
Begeisterung säen
Skischulen und Skilehrer:innen sind ein unverzichtbarer Bestandteil des touristischen Angebots in Tirol. Sie vermitteln nicht nur Technik und Können, sondern wecken auch die Begeisterung und Leidenschaft für den Sport, die im Optimalfall ein Leben lang anhält. In Tirol gibt es aktuell rund 7.000 Schneesportlehrer:innen und etwa 450 Skischulen, alle vereint im Tiroler Skilehrerverband. Jährlich betreuen sie rund 900.000 Skischulgäste. „Besonders der Bereich Kinderkurse – sowohl bei Einheimischen als auch Gästen – wächst kontinuierlich. Viele kleine Regionen haben mittlerweile fantastische Kinderskischulen, die daraus ihr Hauptgeschäft gemacht haben“, erklärt Richard Walter, Präsident des Tiroler Skilehrerverbands. Vom medial oft verbreiteten Rückgang des Interesses am Skifahren merkt Walter nichts: „Die 30-prozentige Steigerung beim Vorverkauf von Saison- und Verbundkarten in diesem Jahr spricht meiner Meinung nach für sich.“
Wie sichert man den Ski-nachwuchs in und für Tirol?
Richard Walter: „Der wesentliche Faktor ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Wenn sich alle gegenseitig unterstützen, bleibt Skifahren auch in Zukunft ein erfolgreiches Produkt.“
Zur Person
Richard Walter ist Präsident des Tiroler Skilehrerverbands, des Österreichischen Skischulverbands und des Europäischen Berufsskilehrerverbands. Darüber hinaus war er über 30 Jahre lang als Skischulleiter für eine der größten Skischulen Österreichs, die Skischule Arlberg, verantwortlich.
Tiroler Skilehrerverband worldwide
Jährlich bildet der Tiroler Skilehrerverband in Österreich rund 3.500 Personen aus – darunter beispielsweise Anwärter:innen und Landesskilehrer:innen. Darüber hinaus gibt es Ausbildungsinitiativen weltweit, von den Niederlanden bis nach China.
© TSLV (2)
Skifahren schlägt Handy
Was macht ein Skigebiet für Jugendliche wirklich attraktiv? Dieser Frage ist die Tirol Werbung in einer Untersuchung mit rund 40 Jugendlichen im Alter von 10 bis 14 Jahren nachgegangen. In Fokusgruppen und Tiefeninterviews wurde ergründet, was junge Menschen am Skifahren begeistert und was sie auf die Piste zieht. Das Ergebnis: Für die Jugendlichen steht das gemeinsame Erlebnis mit der Familie an erster Stelle. Ebenso entscheidend sind Spaß an der Bewegung und ein abwechslungsreiches Angebot – von Funparks über kleine „Geheimwege“ bis hin zu besonderen Erlebnisbereichen. Da bleibt das Handy dann auch gern einmal in der Tasche. Entscheidend sei dabei weniger die Größe der Angebote: „Wichtiger ist, mehrere kleine Funparks über das Skigebiet zu verteilen“, zitiert Karin Seiler, Geschäftsführerin der Tirol Werbung, aus der Studie.
Funparks wie jener in Serfaus kommen beim Skinachwuchs besonders gut an.
© Tirol Werbung/Robert Pupeter
Deutsche Gäste begeistern
Deutschland ist der wichtigste touristische Herkunftsmarkt für Tirol. Deshalb sind attraktive Angebote für junge Menschen aus Deutschland besonders wichtig, um den Skisport frühzeitig spannend und zugänglich zu machen. Die Schultz Gruppe bietet in diesem Zusammenhang bereits seit 1985 in Kooperation mit dem deutschen Reiseveranstalter Klühspies ein ISO-zertifiziertes All-inclusive-Paket für die Sportwochen deutscher Schüler:innen an. „Wir stellen einen One-Stop-Shop zur Verfügung mit Busfahrt, Übernachtung mit Vollpension, Transfer ins Skigebiet, Skilehrer:innen und Skiverleih“, erklärt Martha Schultz, interimistische Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich und Geschäftsführerin der Schultz Gruppe. Darüber hinaus engagiert sich die Schultz Gruppe auch regional, etwa bei der Organisation von Kinderskikursen oder in Zusammenarbeit mit Skiclubs, um den Nachwuchs direkt vor Ort zu fördern.
• 30.000 Kinder und Jugendliche aus Deutschland kommen jedes Jahr über die Schultz-Gruppe nach Tirol, um Skifahren zu lernen.
Zur Person
Martha Schultz ist Geschäftsführerin des Seilbahn- und Tourismusunternehmens Schultz Gruppe sowie interimistische Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich und Bundesvorsitzende von „Frau in der Wirtschaft“ der Wirtschaftskammer Österreich.
Ist die Familie die Keimzelle des Skisports?
Martha Schultz: „Wer in eine sportliche Familie hineingeboren wird, wird oft selbst sportlich. Es gibt aber auch viele Familien, bei denen Wintersport nicht im Mittelpunkt steht. Dann sind besonders Schulen und Kindergärten gefragt.“
© Barbara Nidetzky
Oberländer Pionier
Der ehemalige Tiroler Skirennläufer Andre Arnold engagierte sich nach seiner aktiven Laufbahn intensiv für den Nachwuchsskisport. Bereits 2013 initiierte er die Aktion Wintersport an Schulen (WaS) im Bezirk Imst, mit dem Ziel, möglichst vielen Kindern das Skifahren näherzubringen. 2015 war dann auch der Bezirk Landeck dabei.
Teilnehmende Schüler:innen erhielten dabei nicht nur Skipässe, sondern auch Leihausrüstung, Skikurse und die Anfahrt – alles kostenlos, bereitgestellt von den Partner:innen der Aktion. Mit diesem erfolgreichen Modell legte Arnold den Grundstein für die heute etablierte Schulskiaktion „Skifahr’n“.
• 28.500 Schüler:innen, die seit 2013 durch die Aktion auf die Piste gekommen sind.
Im Jahr 2013 initiierte der ehemalige Skirennläufer Andre Arnold die Aktion WaS.
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Aktion: Kids on Ski
Eine weitere Initiative, die Kinder spielerisch an den Skisport und das Schneeerlebnis heranführt, ist die 2023 von Branchen-Urgestein Mike Partel ins Leben gerufene Kampagne „Kids on Ski – for free“. Ziel ist es, 50.000 Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren kostenlos das Skifahren und Snowboarden zu ermöglichen – destinationsübergreifend von Österreich über die Schweiz bis nach Italien. In Tirol ist aktuell die Bergbahn Sölden mit dabei. Das Programm wächst von Jahr zu Jahr und übernimmt dabei die komplette Skiausbildung sowie Tickets und Unterkünfte für die Kinder.
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