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09. Dezember 2025

Stabiles Produkt im Wandel

Der Klimawandel und gesellschaftliche Veränderungen beeinflussen naturgemäß auch den Tiroler Wintertourismus: Saisonzeiten ändern sich, Gäste reisen mit neuen Prioritäten an und Regionen entwickeln laufend neue Produkte. Hoch bleiben Nachfrage und Wertschöpfung.

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© TVB Osttirol

Der Tiroler Wintertourismus
in Zahlen – heute und damals*

Von der Sommer- zur 50/50-Destination mit kleinem Winter-Vorsprung:

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Winter im Wandel – das sagen Experten:

„(Fast) paradox!“ 

Wenn ich die Saisonzeiten mit jenen meiner Kindheit vergleiche, dann mutet die Antwort fast paradox an“, sagt Michael Rothleitner, Leiter des Schneezentrum Tirol. Obwohl der gefühlte Winter heute später beginnen und früher enden würde, könnten wir früher und verlässlicher Ski fahren als in den Wintern vor 30, 40 Jahren, erklärt er.

Herausforderungen
Die größten Hürden sieht Michael Roth-leitner unter anderem für kleine Liftanlagen in niederen Lagen: „Dass kleine Liftanlagen außer Betrieb genommen werden müssen, gehört wohl weiterhin zu den traurigen Folgen des Klimawandels.“

Und ganz oben? Dynamisch!

Je nach Höhenlage hätten sich die Saisonzeiten unterschiedlich verändert – weiß Reinhard Klier, Vorstand Stubaier Gletscher, aus erster Hand. „Auf den Gletschern gab es früher Ganzjahreskilauf, im Hochwinter war es aber sehr ruhig und teilweise wurden im Jänner Revisionen durchgeführt.“

Mittlerweile starte der Skibetrieb am Gletscher Ende September und im Hochwinter ist die Nachfrage – im Gegensatz zu früher – ungebrochen. In mittleren Höhenlagen habe sich die Wander- und damit die Sommersaison verlängert, der September sei mittlerweile ein stark nachgefragter Wandermonat. Dafür starte die Wintersaison in tiefen Lagen erst im Dezember. „Also in Summe ein durchaus dynamisches Saisonmodell und jede Region und jeder Betrieb passt seine Saisonzeiten laufend an“, sagt Klier zusammenfassend.

„Wie nie zuvor!“

Im touristischen Angebot erkennt Rothleitner so viel Qualität und Vielfalt „wie nie zuvor“. Dieser Umstand habe aber auch „massive Auswirkungen“ auf Preisgestaltung und Wertschöpfung. Seiner Meinung nach liege genau hier daher auch eine der größten Herausforderungen für den heimischen Tourismus.

Die Entwicklungen im Tiroler Wintertourismus fasst Rothleitner so zusammen:
„Vom Naturerlebnis zum Konsumerlebnis. Von der herrlich unter den Füßen knirschenden Schneepracht zur perfekt präparierten Piste. Von der heimeligen Eckbank in der dampfenden Küche der Gastgeberfamilie zum Fünf-Sterne-Menu. So wie in anderen Wirtschaftsbereichen auch, hat sich die Branche zunehmend optimiert.“

Die klare Nummer 1

Skifahren ist unangefochten die beliebteste Aktivität im Winterurlaub in Tirol: 81 % der Wintergäste verbringen ihren Urlaub auf den Tiroler Pisten, für 75 % ist es die Hauptaktivität. Jene Gäste, die hauptsächlich Ski fahren, sind durchschnittlich 49,4 Jahre alt, reisen vorrangig als Familie mit Kindern oder Jugendlichen (37 %), sind häufig Stammgäste und werden abseits der Piste am liebsten beim Winterwandern (36 %), Schwimmen bzw. Baden (22 %) und Rodeln (16 %) sportlich aktiv. Bei den Freizeitangeboten sind außerdem Essengehen außerhalb der Unterkunft (47 %), Après-Ski (47 %) sowie Spazieren oder Bummeln (36 %) hoch im Kurs.


Gewandelt haben sich auch Motivation und Anspruch der Gäste,
die ihren Winterurlaub in Tirol verbringen. Immer weniger verbringen den ganzen Tag auf den Skiern, gesucht werden auch Erholung und Genuss. Ebenfalls im Trend liegen Sportarten wie Langlaufen oder Winterwandern – die Regionen reagieren mit entsprechenden Angeboten:

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© Tirol Werbung/Manfred Jarisch

Winterurlaub plus

Das Angebot im Winter geht längst über den klassischen Skiurlaub hinaus. Winterwandern, Wellnessen, Weihnachtszauber und Kulinarik genießen zählen zu den Lieblingsalternativen der Urlaubsgäste. Ein Überblick, wie innovative Gastgeber:innen in Tirol ein Programm abseits der Skipiste bieten.

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Schnee olé zu zweit beim Seefelder Seekirchl

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In Rattenberg weihnachtet es wie vor 100 Jahren.

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Gute, warme Küche - an kalten Tagen besonders gefragt

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Wer will bei der Traumkulisse nicht winterweitwandern?

Advent, wie er gehört
Ganz ursprünglich geht es in der Vorweihnachtszeit in Österreichs kleinster Stadt zu. In Rattenberg setzt man auf winterliche Ruhe, auf Kerzen, Fackeln und auf die eigene Wirkung der wunderschönen Altstadt. Einkaufen kann man hier im Advent hauptsächlich in den dafür bis in die Abendstunden geöffneten kleinen Geschäften und Handwerksbetrieben. Geöffnet ist der Rattenberger Advent von Freitag bis Sonntag und am Feiertag am 8. Dezember.

Ruhiger als auf den Innenstadtmärkten ist es am Christkindlmarkt auf der Innsbrucker Hungerburg. Mit Glühweinduft und Blick auf die entfernten Lichter der Stadt und erreichbar durch eine schnelle 10-minütliche und 10-minütige Busverbindung oder noch schneller mit der spektakulären Hungerburgbahn, ist der Panoramamarkt ein sehenswertes Kleinod und fühlt sich wie ein kleiner Ausflug an. Die erwähnten Märkte gehören zur Initiative Advent in Tirol, die auch in Seefeld, Hall, Schwaz, Kufstein, St. Johann und am Achensee mit Weihnachtsmärkten für besinnliche Stimmung sorgt.

Detox Days
Die Weihnachtszeit ist bei den wenigsten Menschen ein Schlankmacher. Deshalb boomt im Winter der gezielte Genuss in kleinen Portionen. Es lässt sich auch besser auf allzu Üppiges verzichten, wenn man dafür aus der warmen Sauna in eine verschneite Winterlandschaft schauen kann. Im Vitalhotel Pirchnerhof in Reith im Alpbachtal wird zum Beispiel nach Hildegard von Bingen gefastet, begleitet von Meditationen, Fastenimpulsen und Einzelgesprächen. Das Resort Sonnhof in Hinterthiersee bietet Ayurveda, vegane Ernährung und ein dazu passendes Bewegungsangebot. Im Pitztal bietet das Biohotel Stillebach begleitete Basenfasten-Wochen an und berät seine Gäste auch bei einzelnen Fastentagen. Ein besonderes Erlebnis sind Fastentage im Waldrast Natur Resort im Wipptal, wo direkt am Fuße der Serles in einem Kloster entspannt wird.

Wer macht Wellness in Tirol?

  • Wellness steht vor allem von Allerheiligen bis Weihnachten für viele Urlauber:innen in Tirol ganz oben am Programm: Während im Saisonschnitt 8 Prozent aller Tirol-Urlaubenden zum Wellnessen kommen, sind es von 1. November bis 7. Dezember 19 Prozent – und von da bis zum Heiligen Abend immer noch
    15 Prozent.

  • Wellness-Urlaubende sind formal besonders hoch gebildet – fast die Hälfte dieser Reisegruppe hat einen Uni-Abschluss.

  • 8% der Tirol-Gäste im Winter machen unter anderem einen Wellnessurlaub. Aber auch sie entspannen nicht nur, sondern sind auch sportlich unterwegs: 2 von 3 (64%) gehen auch Ski fahren.

Winterweitwander-Vorreiter
In Seefeld hat man sich auf Winterweitwanderungen ohne Schneeschuhe spezialisiert und nach dem viertägigen Winterweitwanderweg von Hotel zu Hotel – samt Gepäcktransport zwischen den Etappen – in Leutasch und Mösern inzwischen auch die fünftägige Seefelder Hochplateau Weitwanderung entwickelt: Dabei ist Seefeld die fixe Basis, von der aus man fünf Tage lang über sternförmig angeordnete Etappen durch Seefeld, Leutasch, Mösern, Reith und Scharnitz wandert. Neben der fixen Unterkunft ist eine weitere Besonderheit, dass alle Etappen bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden können. Für dieses innovative Konzept wurde die Region heuer mit dem renommierten Tirol Touristica Award ausgezeichnet.

Das erste Winterwanderdorf Tirols ist seit 2018 Kartitsch im Osttiroler Gailtal: Acht zertifizierte und täglich gut geräumte Winterwanderwege zwischen zwei und zwölf Kilometern gibt es hier, bei, wegen der hohen Lage auf fast 1.400 Metern, Sonnen- und Schneegarantie. Wer nicht alleine den Blick auf die umliegenden Berge genießen will, kann an geführten Winterwanderungen und organisierten Fackel- und Laternenwanderungen teilnehmen.

Wer winterwandert in Tirol?

  • 42 % der Wintergäste gehen im Tirol-Urlaub winterwandern.

  • Winterwandernde Gäste sind im Schnitt 51,9 Jahre alt und reisen vorrangig als Paare (34 %) oder als Familien mit Kindern oder Jugendlichen (31 %).

  • Beliebte sportliche Aktivitäten zusätzlich zum Winterwandern sind für dieses Gästesegment Skifahren (71 %), Schwimmen bzw. Baden (33 %) und Rodeln (20 %), geschätzt werden aber auch Spazieren oder Bummeln (57 %), Essengehen außerhalb der Unterkunft (51 %) sowie Entspannen bzw. Nichts tun (39 %).

    (Quelle: T-Mona Winter 2023/24)

Österreichs hauben- und sterne-hochburg
Kein anderes Bundesland hat so viele mit Sternen und Hauben prämierte Küchen. In 119 Tiroler Gaststätten gibt es kulinarischen Genuss auf Haubenniveau, 20 Lokale sind mit einem oder zwei Sternen dekoriert. In allen großen Wintertourismus-Destinationen Tirols gibt es mehrfach ausgezeichnete Küche: Spitzenreiter mit fünf Hauben und zwei Sternen ist das Stüva in Ischgl, mit vier Hauben und ebenfalls zwei Sternen ausgezeichnet folgen das Gasthaus Schwarzer Adler in Hall, das Restaurant 141 in Mieming und das Gourmetrestaurant Tannenhof in St. Anton am Arlberg.

Sogar in luftiger Höhe und mitten in Skigebieten wird in Tirol neben zünftigen Almklassikern auch internationale Spitzenküche serviert: So wird zum Beispiel in St. Anton am Arlberg in der Verwallstube und auf der Hospiz Alm mit drei Hauben prämierte Küche serviert, im Ice Q in Sölden lässt sich zum James-Bond-Feeling Zwei-Hauben-Küche auf knapp 3.050 Meter Seehöhe genießen. Besonders für Weinliebhaber:innen spannend ist unter anderem die Wedelhütte in Hochzillertal, die sich auf 2.300 Meter Seehöhe mit dem höchstgelegenen Weingewölbe der Alpen rühmt.

Text: Rebecca Müller, Thomas Mair

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