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09. Dezember 2025

Warum Wintersport Zukunft hat

Trotz des Klimawandels ist und bleibt der Wintertourismus für Tirol zentral. Möglich machen das Innovationen und Anpassungsfähigkeit.

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© TVB Tannheimer Tal/Ehn Wolfgang

Nachhaltige Technologien sichern laut Armin Möller, Leiter der Abteilung Tourismusforschung und Datenprojekte bei der Tirol Werbung, die Zukunft des Winters. So ermöglichen etwa energieeffiziente Seilbahnen, intelligentes Schneemanagement und datenbasierte Vernetzung einen ressourcenschonenden Schneebetrieb, künstliche Intelligenz regelt die smarte Besucherlenkung, digitale Angebote erweitern das Tirol-Erlebnis.

Der Klimawandel verändert die Nachfrage und das Urlaubsverhalten: Weniger Schneefall in tiefen Lagen, mehr Wettervariabilität und spontanere Buchungen führen zu einer stärkeren Fokussierung auf schneesichere Höhenlagen. Gleichzeitig gewinnen Nachhaltigkeit, Erreichbarkeit und Ganzjahresangebote an Bedeutung. Winterwandern, Wellness, Kulinarik und Kulturangebote werden wichtiger. Während dadurch für schneesichere Regionen Chancen entstehen, müssen andere ihr Angebot diversifizieren. Erfolgreich sind jene, die sich an die klimatische Realität anpassen.

Langfristige Daten zeigen, dass Deutschland als wichtigster Markt weiterwächst – ebenso wie auch Osteuropa und die USA. Luxushotellerie, Ferienwohnungen und Camping legen zu. Die Aufenthaltsdauer sinkt, das Durchschnittsalter der Gäste in Tirol liegt bei rund 50 Jahren.

Nachhaltigkeit und Mobilität im Fokus

Auf Schiene
Seit 2012 gibt es die Initiative „Tirol auf Schiene“, die Tourismus, Verkehrsverbund, Wirtschaftskammer und Bahnen aus dem DACH-Raum mit einem gemeinsamen Ziel vereint: mehr Gäste für eine klimafreundliche Anreise mit der Bahn zu begeistern. „Wenn Anreise und Mobilität vor Ort zusammengedacht werden, entsteht ein echtes Angebot, das den Umstieg vom Auto erleichtert“, erklärt Nicole Ortler von der Tirol Werbung. Bis 2035 soll der Anteil nachhaltiger Anreisen auf 20 Prozent steigen.

Die Kooperation bringt unterschiedliche Akteure zusammen, was Abstimmung erfordert, aber auch Synergien schafft: Tourismuspartner werben für Bahnangebote, Bahnen wiederum für Tirol als Reiseziel. Das Ergebnis ist weniger Verkehr, mehr Ruhe und eine höhere Aufenthaltsqualität. „Mobilität wird im Idealfall Teil des Urlaubserlebnisses, nicht zur Hürde“, so Ortler.

Das Angebot werde zunehmend mehr genutzt – besonders aus Städten wie Berlin oder Hamburg. Beispiele wie der kostenlose Shuttle zum Winterwandern am Hintersteiner See oder der demnächst startende engere Bustakt im Stubaital würden zeigen, wie autofreie Mobilität gelingt. Jede Bahnreise spart bis zu
89 Prozent CO₂ – ein zentraler Hebel für klimafreundlichen Wintertourismus. Projekte wie „Im Nightjet zum Schnee“ machen deutlich, dass ein nachhaltiger Winter in Tirol keinen Widerspruch, sondern gelebte Zusammenarbeit darstellt.

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Die Initiative „Tirol auf Schiene“ soll zur klimafreundlichen Anreise animieren.
© Tirol Werbung/Johann Kapferer

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Nicole Ortler, Teamleitung im Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit bei der Tirol Werbung
© privat


Ökostrom
„Die Tiroler Seilbahnen beziehen bereits 100 Prozent Ökostrom und konnten ihre CO₂-Emissionen deutlich reduzieren“, betont Reinhard Klier, Obmann der Fachgruppe Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Tirol. Neben Photovoltaik- und Wasserkraftprojekten würden zunehmend alternative Heizsysteme wie Hackschnitzel oder Erdwärme zum Einsatz kommen.

Auch die technische Beschneiung wird nachhaltiger. Dort wird mit modernen, besonders energieeffizienten Schneeerzeugern gearbeitet. „Der Energieverbrauch konnte zwischen zwei Generationen von Schneekanonen um bis zu 50 Prozent gesenkt werden“, so Klier. Der Strombedarf liege bei nur 1–3 kWh pro Kubikmeter Schnee, das benötigte Wasser fließe nach der Schneeschmelze in den natürlichen Kreislauf zurück.

Die Branche setzt laut Klier konsequent auf Energieoptimierung und Eigenstromerzeugung, etwa durch die Doppelnutzung der Beschneiungsinfrastruktur als Wasserkraftanlage. Im Vergleich zu vielen Freizeitaktivitäten sei der Skisport „weniger energieintensiv als oft dargestellt“, erklärt Klier. Herausforderungen, wie Speicherlösungen, Netzausbau oder Akzeptanz neuer Projekte, würden trotzdem bleiben, doch es werde stetig an effizienteren und nachhaltigeren Lösungen gearbeitet.

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Reinhard Klier, Obmann der Fachgruppe Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Tirol
© Die Fotografen


Neue Kraftwerke
Die zwei neuen Kleinwasserkraftwerke in Söll und Hintertux zeigen, wie Tirols Seilbahnwirtschaft ihren Energieeinsatz nachhaltiger gestaltet.

In Söll wurde das Kraft--werk im Herbst 2024 in Betrieb genommen. Mit einer Leistung von 380 kW erzeugt es jährlich rund 1,5 GWh Strom. Das genügt, um den gesamten Sommerbetrieb der Bergbahnen und etwa ein Viertel des Jahresstrombedarfs zu decken. Geplant sind zudem E-Ladestationen an der Talstation, die mit dem erzeugten Ökostrom gespeist werden sollen.

Am Hintertuxer Gletscher ging 2025 das Kleinkraftwerk Isse in den Probebetrieb. Es nutzt bestehende Leitungen der Beschneiungsanlage und produziert mit rund 500 kWp etwa 1,8 GWh pro Saison. Damit deckt
die Zillertaler Gletscherbahn rund 40 Prozent ihres
Sommerstrombedarfs. Ergänzend wurde der gesamte Fuhr-park bereits 2023 auf den rege
nerativen Dieselkraftstoff HVO 100 umgestellt, der die Emissionen um etwa 90 Prozent senkt.

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Das Kraftwerk am Hintertuxer Gletscher ging in diesem Jahr in Betrieb.
© Zillertaler Gletscherbahn GmbH & Co KG

Schneesicherheit durch technische Innovationen

Um beste Pisten bieten zu können, braucht es modernste Technik. „Die wesentlichen Technologien sind die technische Beschneiung durch Propellermaschinen und Schneilanzen, die Schneehöhenmessung mittels GPS und Lidarsensoren sowie eine komplexe Infrastruktur aus Leitungen, Speicherteichen, Pump- und Kühlanlagen“, erklärt Michael Rothleitner vom Schneezentrum Tirol.

Entscheidend sei hierbei ein ressourcenschonender Umgang, der durch eine intensive Auseinandersetzung mit besagten technischen Mitteln gelinge. „Vom Energiehunger der Anlage über die Kühlung des Schneiwassers bis hin zur Optimierung des Wassermanagements lässt sich in vielen Bereichen Einsparpotenzial finden.“ Eine präzise Schneehöhenmessung und die Wahl effizienter Schneeerzeuger seien essenziell, um Wasserverluste und unnötigen Energieeinsatz zu vermeiden.

Investitionen in moderne Systeme würden sich langfristig lohnen, so Rothleitner, da sie Ressourcen schonen und somit auch Kosten senken. Klar sei aber auch: „Ohne technische Beschneiung wäre der Saisonstart nicht ausreichend planbar“, betont Rothleitner deren Wichtigkeit. Technische Innovationen, die dem Schutz von Landschaft, Wasser und Energie dienen, werden laut dem Experten künftig ein wesentlicher Faktor für die Qualität des Wintertourismus sein.

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Michael Rothleitner, Leiter des Schneezentrums Tirol
© Schneezentrum Tirol


Drei Internationale Innovationen

Wie machen’s unsere Nachbarn?

1. Modernster Terminal der Alpen

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Der Grindelwald Terminal verbindet Bahnhof, Bushaltestelle, Shops und Gastronomie.
© Jungfraubahnen

Der Grindelwald Terminal in den Berner Alpen in der Schweiz gilt als zukunftsweisendes Beispiel für integrierte Mobilität und moderne Infrastruktur im Tourismus. Als Herzstück der sogenannten V-Bahn verbindet er öffentliche Verkehrsmittel, Bergbahnen und Freizeitangebote nahtlos miteinander. Von hier gelangen Gäste mit der 3S-Bahn Eiger Express in
15 Minuten zum Eigergletscher oder mit der 10er-Gondelbahn in 19 Minuten auf den Männlichen.

Der Terminal vereint Bahnhof, Bushaltestelle, Parkplätze, Skidepots, Shops und Gastronomie unter einem Dach. So wird der Wechsel zwischen Anreise, Aktivität und Aufenthalt effizient gestaltet. Ein Shoppingcenter mit internationalen Marken, Schweizer Qualitätsprodukten und Sportgeschäften ergänzt das Angebot.

Mit 1.032 Parkplätzen, VIP-Lounge und umfangreichen Serviceeinrichtungen ist der Grindelwald Terminal ein moderner Mobilitätshub und zentraler Ausgangspunkt für Ausflüge aufs Jungfraujoch sowie in die Ski- und Wandergebiete der Region.

2. Kulinarik auf der Piste

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Die Skirunde Sellaronda verläuft rund um das Sella-Massiv in den Dolomiten.
© shutterstock.com

Die weltberühmte Skirunde Sellaronda in den Dolomiten verläuft rund um das Massiv des Sella und führt durch ladinische Talschaften in Südtirol, im Trentino und in Venetien. Wintersportler:innen genießen dabei den Ausblick auf die Dolomiten.

Zu genießen gibt’s aber noch weit mehr, denn entlang der Sellaronda warten zahlreiche kulinarische Erlebnisse auf. Gäste finden erstklassige Berghütten, Gourmetrestaurants und Almhütten mit regionalen Spezialitäten wie Südtiroler Käse, Speck, hausgemachter Pasta und süßen Dolomiten-Desserts.

Kulinarisch sticht vor allem Alta Badia hervor. Das auf der Sellaronda vertretene Tal hat sich in den letzten 15 Jahren zunehmend auf das Thema Kulinarik konzentriert und vereint Skifahren mit gehobener Gastronomie: Jeden Winter kreieren Sterneköche Gerichte für die Skihütten, die dort die ganze Saison lang serviert werden.

3. Qualität durch Besucherlenkung

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Madonna di Campiglio setzt auf Begrenzung und Kommunikation.
© shutterstock.com

Gästezufriedenheit und Besucherlenkung werden im italienischen Madonna di Campiglio großgeschrieben. „Unser Ziel ist es, im Premiumsegment zu bleiben und dabei die Qualität hoch zu halten“, wie Bruno Felicetti, CEO der Liftgesellschaft in Madonna di Campiglio, erklärt. Analysen hätten gezeigt, dass bei einer Auslastung von bis zu 12.000 Skifahrer:innen pro Tag die Zufriedenheit der Gäste hoch bleibe, darüber sinke sie aber deutlich. Besonders Tagesgäste würden die Infrastruktur belasten.

Um gegenzusteuern, wurden Maßnahmen umgesetzt: „Frühere Öffnung an Spitzentagen, Begrenzung der Tageskarten und Pistenpflege untertags.“ So werde der Andrang entzerrt und die Qualität gesichert. „Eine einfache Lösung gibt es nicht – wir brauchen eine Kombination vieler kleiner Maßnahmen.“

Ein Schwerpunkt liege laut Felicetti auf der Mitarbeiterschulung und der Gästekommunikation, was rund 500 Mitarbeiter:innen betreffe. Zudem würden Fokusgruppen kritische Situationen analysieren, praktische Tipps zur Interaktion gibt’s täglich per Video.

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Bruno Felicetti, CEO der Lift-gesellschaft in Madonna di Campiglio
© Jan Hetfleisch

Text: Markus Wechner

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