Zurück zu den Wurzeln – so lässt sich der Boom der touristischen Sommersaison während der vergangenen Jahre auf den Punkt bringen. Schließlich war sie gemessen an den Nächtigungen bis zur Mitte der 1990er-Jahre in Tirol stärker als der Winter und prägte über lange Zeit den Aufschwung unserer Branche. Es ist also durchaus legitim, von einer Renaissance der vielzitierten Sommerfrische zu sprechen, zumal die Kühle alpiner Höhenlagen vermehrt Menschen anzieht. Oder um es neudeutsch zu formulieren: Coolcation liegt im Trend. Doch hinter diesem Aufwärtskurs steckt deutlich mehr als nur der Wunsch danach, heißen Orten im Sommer zu entfliehen. Schließlich ist diese Entwicklung nicht naturgegeben, sondern einerseits Ausfluss einer klaren Strategie, für die neben unternehmerischem Weitblick und Innovationskraft auch gezielte Investitionen eine wichtige Basis bilden. Entstanden ist daraus eine groß(artig)e Vielfalt – von den Sommerbergbahnen über Wanderstrecken, Bikeparks und Downhillstrecken bis zu Inszenierungen rund ums Wasser.
Wertewandel als Antrieb Zugleich liegt dieser Entwicklung ein Wertewandel zugrunde, der den eigenen Körper, Gesundheit und Regeneration ins Zentrum rückt. Damit einher geht der Wunsch nach aktiver Erholung – sprich: Bewegung verbunden mit mentaler Entschleunigung. Unsere Alpen können diese Bedürfnisse ideal bedienen. Sie bieten mit ihrer Weite und Erhabenheit eine Gegenwelt zum Alltag, um zur Ruhe zu kommen. Es gilt die Devise: Weniger ist mehr. Schließlich braucht es nicht viel, um beispielsweise wandernd oder bei der schnelleren Spielart Trailrunning unterwegs zu sein – eventuell noch einen elektrischen Motor, wenn man die Berge mit dem E-Bike bequemer erleben will. Es ist eine im wahrsten Sinne des Wortes gesunde Mischung, die hier den modernen Zeitgeist trifft. Dabei ist eines auch klar: Diese Entwicklung geht nicht auf Kosten des Winters. Der bleibt eine starke und unverzichtbare Säule des Tiroler Tourismus. Gleichzeitig geht es darum, wie in diesem Heft gezeigt, den Sommer auch hinsichtlich Wertschöpfung zum gleichwertigen Standbein zu machen – für einen auch wirtschaftlich erfolgreichen Ganzjahrestourismus. Das muss unser aller Ziel sein.